Dienstag, 10. Juli 2018

Berlin - Venedig


Mein nigelnagelnagelneues Sonne-über-Frauenfeld-Kurzdorf-Ehrenmitglied-Trikot ist gepackt und Samstag geht's nun endlich los: zusammen mit Don Carbone und rund 70 weiteren Velofreaks pedaliere ich von Berlin nach Venedig. Eine Transalp Deluxe - ohne Startnummer und Stoppuhr, organisiert von Quäldich.de (der Name ist NICHT Programm) - quer durch die endlosen Weiten Brandenburgs und Sachsens, durchs mythische Erzgebirge mit Tiefblicken in die böhmische Ebene, durch den wilden Böhmerwald, rein ins Voralpenland, über rund 20 Pässe, darunter so Brocken wie der Grossglockner und eine kleine Selektion der schroffen Dolomiten, bis runter an die Adria zur berühmten Rialto-Brücke, wo ich mir dann 100%-ig ein supergrosses, überteuertes Gelati gönne!



Etappe 1: Berlin - Dresden (204 km lange Flach-Etappe)

Etappe 2: Dresden - Karlsbad (Annahöhe, Jöhstadt, Rotes Vorwerk, Fichtelberg) 

Etappe 3: Karlsbad - Rimbach (Vlek, Dachsriegel)

Etappe 4: Rimbach - Burghausen (Scheiben, Hindenburgkanzel, Arberstrasse)

Etappe 5: Burghausen - Zell am See (Steinpass)

Etappe 6: Zell am See - Lienz (Grossglockner, Iselsbergpass)

Etappe 7: Lienz - Cortina d'Ampezzo  (Col Sant'Angelo, Drei Zinnen, Col Sant'Angelo, Passo Tre Crocci)

Etappe 8: Cortina d'Ampezzo  - Belluno (Passo di Gieu, Forcella Staulanza, Passo Duran)

Etappe 9: Belluno - Venedig (Passo di San Boldo)

Donnerstag, 28. Juni 2018

SM Einzelzeitfahren

Oder: Success isn't about the end result, it's about what you learn along the way...

Was ich da so recht einfach und flott von der Hand dahin schreibsle, ist emotional alles andere als leicht zu verdauen... Auf der Rangliste dieses sehr anspruchsvollen, bergigen Einzelzeitfahrens prangt mein Name nämlich einmal mehr nicht glanzvoll im vorderen Teil, sondern man muss ordentlich weit nach unten scrollen... 

Das Feld war extrem stark besetzt, alles was im Schweizer Strassenradsport, MTB und sogar im Triathlon Rang und Name hat, versammelte sich gestern Nachmittag in Schneisingen, um im Abstand von einer Minute von der berühmt-berüchtigten Rampe zu rollen. Dass ich da als alterndes Greenhorn nicht vorne mitmischen würde, war mir selbstverständlich von Anfang an klar. Dass ich aber derart exekutiert würde von der Konkurrenz und satte 7 Minuten auf die absolut grandios-furios fahrende Nicole Hanselmann verlieren würde, und das auf nur 18 Kilometern wohlgemerkt, das hat mir gestern Abend also doch ziemlich zugesetzt... Ich habe alles gegeben, sicherlich hätte ich die ein oder andere Kurve noch etwas aggressiver fahren können und mich am Berg noch mehr quälen müssen, aber 7 Minuten?! Auch dass mich das Postauto auf der letzten Abfahrt vor dem Schlussanstieg ins Dorf ausgebremst hat, macht den Braten nicht feiss, das waren vielleicht grad mal 20 Sekunden. Ich wollte schon meinen ganzen Sportkrempel zum Schnäppchenpreis ausschreiben und mich den gemütlicheren Dingen des Lebens wie Klavierspielen, Yoga machen oder Kuchen backen widmen, doch ich wäre nicht ich, wenn... 

Reframed betrachtet war es doch erstens eine ganz coole Sache, bei sommerlichen Temperaturen zusammen mit den besten Fahrerinnen des Landes an diesem durch und durch professionell organisierten Rennen durch die Aargauischen Hügel zu heizen. Zweitens: gerade mal 24 Frauen der pedalierenden Schweizer Bevölkerung haben sich überhaupt an die Startlinie getraut, alle anderen blieben daheim, von daher gesehen bin ich jetzt immerhin für ein Jahr die 19. schnellste Dame, womit sich der Rang von allein relativiert. Zudem finde ich es einfach unglaublich toll, wenn sich junge und ältere Ladies zusammen tun um Spass zu haben. Wobei man den Begriff 'Spass' möglicherweise schon mal noch diskutieren müsste... Noch toller wäre es, wenn mehr mitmachen täten und die Medien vielleicht auch mal ein, zwei Sätze über die unglaublich starke Leistungen der etwas weniger bekannten Fahrerinnen verlieren würde. Nichts gegen die Performance von Nicola Spirig, aber die Szene im Ziel, als Nicole, die frisch gebackene Schweizermeisterin, total ausgepowert und bleich im Gesicht hinter der Finishline mit einem Vorsprung von fast 40 Sekunden fast vom Velo kippte, sich aber sämtliche Reporter nur für die Zweitplatzierte interessierte, hm... Irgendwie tat mir das einfach leid.  

Was habe ich gelernt? Es dreht sich nicht alles um Ruhm und Ehre. Kräht eh kein Hahn danach. Der Weg ist das Ziel. Meine persönlichen Zielsetzungen, die Bemühungen und Anstrengungen, diese irgendwie möglicherweise irgendwann vielleicht doch einmal zu erreichen, und vor allem der Spass und die Freude an der Sache, das macht's aus!

Samstag, 9. Juni 2018

Tour de Suisse Challenge Frauenfeld

Es ist einfach immer etwas ganz Besonderes, auf heimischem Boden einen Wettkampf zu bestreiten, ganz egal ob als Leichtathletin, Triathletin oder neuerdings als Velofahrerin. Heute Morgen stand das Einzelzeitfahren für uns Hobbyathleten auf dem Programm, bevor dann nachmittags die Cracks im Mannschaftszeitfahren - minim schneller als ich - über den Asphalt bretterten.

Die Strecke von gut 18 km, nett coupiert mit zwei knackigen Anstiegen, welche die Beine öfter auch im Training brennen lassen, kenne ich aus dem Effeff, wodurch die Fahrt allerdings unterm Strich dann nicht wirklich angenehmer wird. Zeitfahren ist und bleibt brutal hart, Leben am Limit sozusagen. Aber das Gefühl, nach dem Countdown von der Rampe zu rollen, zu versuchen, den Puls nicht schon auf den ersten 100 Metern in den dunkelroten Bereich schnellen zu lassen, den Atem irgendwie möglichst lange zu kontrollieren, seinen Rhythmus zu finden, sämtliche Fasern im Körper zu spüren, die Muskeln einfach ihre Arbeit machen lassen, rund zu treten und dabei mit der Rakete unterm Hintern zu einer Einheit zu verschmelzen, das ist einfach unglaublich berauschend! Und wenn dazu dann noch eine komplett gesperrte Strecke kommt, dann ist das einfach phänomenal geil!!!

Ich genoss während den gesamten 30 Minuten den Fight gegen mich selber, war bereit wirklich alles zu geben, litt auf den letzten 4 Kilometern unglaublich und plumpste drum dann hinterm Zielstrich nur mässig elegant vom Hobel. Ich war extrem zufrieden mit der ganzen Fahrt und hätte unmöglich noch mehr aus mir rausholen können. Trotz diesem Effort wurde ich dann aber letztlich nur Vierte, da der Veranstalter zwecks Förderung des Damenrennsports die Crème de la Crème der Schweizer Radsportszene eingeladen hatte und sich eben diese durchaus sympathischen Damen leider auch bereits in fortschreitendem Alter, also in meiner Kategorie, befinden... Unsere Altersklasse war dann auch mit Abstand die schnellste, eine mir unbekannte schnelle Schwedin mischte ebenfalls noch mit, und so ging ich dann halt leer aus, also zumindest gab’s keinen Blumenstrauss und kein Bier. Also irgendwie ja dann doch, denn Don Carbone mischte schön mit den Herren mit und durfte bei den Masters III aufs Treppchen. 
;-)

Donnerstag, 31. Mai 2018

Schleck Gran Fondo

Das wichtigste gleich vorne weg: Der Wochenende-Trip nach Mondorf-les-Bains (Luxemburg) war die Reise absolut wert. Es ist eine superschöne Gegend da, die Landschaft mit den rollenden Weinbergen unglaublich hübsch anzuschauen, satt grüne Weizenfelder gespickt mit Kornblumen und blühendem Mohn stehen im Kontrast zum wolkenlosen Himmel, die Mosel fliesst idyllisch dahin, die alten Dörfchen sind im Sommerlicht total malerisch und die Leute mit ihrer witzigen Landessprache äusserst sympathisch. 

Glücklicherweise hat es ausserdem letzen Samstag mit einem 5. Rang in meiner Altersklasse auch grad noch ganz knapp für die Qualifikation im Strassenrennen für die UCI Granfondo World Championship gereicht. Doppelt gemoppelt, sozusagen. Der Rennbericht folgt...












Montag, 16. April 2018

Enfer du Chablais

Nachdem ich in der Toskana stolze 1000 Kilometer pedaliert war, und dabei auch das Kaffee & Wein Trinken respektive Panini-Essen nicht zu kurz kamen, reiste ich am Wochenende direkt ins Waadtland, um am Sonntag noch in die Hölle des Chablais abzusteigen. Was ja zugegeben eine ziemliche Schnapsidee ist, so aus einem Trainingslager heraus noch rasch ein Elite-Rennen mit internationalem Starterfeld mitzunehmen... Und so verwunderte es dann nicht, dass ich nebst den Bleibeinen auch ziemlich den Gagg in der Hose hatte, je näher der Sonntag rückte. Ich wollte Don Carbone auf verschiedenste Weise zum Kneifen überreden, aber er war nicht vom Plan abzubringen, und so kam es, wie es kommen musste...

Start und Ziel waren in Downtown Rennaz, der Parcours von knapp 10 Kilometern war flach, weil in der Rhoneebene, dafür mit fantastischem Panorama mit Blick auf die Dents du Midi. 10 Runden galt es zu absolvieren und weil im Namen der Veranstaltung auch das Wort "Enfer" drin steckt, war die Strecke zusätzlich gespickt mit 1,8 km ungeteerter Holperpiste. Also sozusagen das Paris-Roubaix der Schweiz. Mein Foil trimmte ich deshalb bereits in Italien noch auf "Traktor" mit den superstabilen Ambrosio-Felgen und den unzerstörbaren FMB Collés. Was sich durchaus als smarter Move entpuppte im Verlauf der 2.5 Stunden Renndauer...
Achtung, fertig, päng, auf los ging's los! Ich hatte mich etwas hinten eingereiht, da sich meine Tagesform mässig anfühlte und ich als Ü40-Masters-Fahrerin nicht unbedingt damit rechnete, mit den Pro Teams aus Island, Russland und Frankreich (Jahrgänge alle mit einer 9 vor der letzten Zahl) mitfloaten zu können. Dummerweise gab's nach knapp 700 Metern bereits den ersten Massensturz, ich musste in den Acker am rechten Rand hechten, rasch wieder zurück auf die Strasse hüpfen und somit war das Feld bereits weg. Na merci dann! Das Rennen war also bereits gelaufen, wenigstens küsste ich aber nicht den Boden... Drum stampfte ich also sozusagen ab Start allein, fühlte mich total Scheisse und wollte den Bickel nur allzu gern verwerfen. Ich war aber nicht die einzige, die von diesem Crash behindert worden war, und so rotteten wir uns bald in einem Grüppchen aus 6 Fahrerinnen zusammen. Die ersten beiden Runden waren brutalo hart und extrem schnell, ich sah keine Möglichkeit, diese Pace während dem ganzen Rennen zu halten. Die Puls-Balken waren im tiefroten Bereich und die Sternchen tanzten bereits heiter hinter der Brille. Lagomio! Ich hoffte ehrlich gesagt auf einen Defekt, so wie ihn massenhaft andere Teilnehmerinnen hatten, um das Rennen frühzeitig, aber dennoch einigermassen würdevoll beenden zu können. 

Aber nix da. Traktor ist Traktor, und wenn er erst mal rollt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Je länger das Race dauerte, umso stärker fühlte ich mich. Daran änderte auch die Staub-Patina nichts, im Gegenteil, auf den 3 Sektoren pro Runde blühte ich jeweils regelrecht auf und stampfte wie ein Ackergaul fröhlich vorne weg. Irgendwann rief uns Don Carbone zu, dass wir "nur" 50 Sekunden Rückstand auf eine Siebnergruppe hätten. Als sozial veranlagter Mensch übersetzte ich diese Information dann husch husch ins Englische und Französische und forderte meine Mitstreiterinnen auf, dieses Loch gemeinsam zuzufahren. Was leichter gesagt ist als getan. Ich verfluchte mich für dieses Vorhaben! Das Tempo konstant noch höher zu halten verlangte alles von uns ab und es war sogar schon schwierig, an dritter Position einigermassen mitzukommen. Aber bereits nach einer Runde hatten wir eine halbe Minute Zeit gut gemacht, also steckten wir weiter alles in diese irrsinnige Aufholjagd  und mussten dabei darauf Acht geben, die Kolleginnen jeweils bei den Wechseln nicht abzuhängen, weil im Alleingang geht so was schon grad gar nicht. Und tatsächlich, wir fuhren nach 2 Runden auf diese Frauengruppe auf und konnten erst mal etwas durchatmen. Das bedeutet im Rennen, dass der Puls vielleicht 10 Schläge nach unten geht und nur noch im hellroten Bereich ist. Anfühlen tut es sich aber wie Wellnessferien, echt jetzt!

Im März am Carbon Cup hatte ich zum Glück gelernt, dass man nicht zu viel selber machen soll und notfalls auch vorne die Beine einfach hängen lassen darf, um nicht alle Körner zu verschiessen und dann am Ende als Letzte über den Zielstrich zu rollen. Also tat ich zwar weiterhin durchaus meinen Teil, behielt aber stets im Hinterkopf, dass der Höllenritt erst am Ende ganz zu Ende ist und ich wollte NICHT als letzte der Gruppe da ankommen. Auf der zweitletzten Runde reduzierten wir drum etwas Tempo, die Gefahr, von der Spitzengruppe überrundet zu werden, bestand zum Glück nicht, und ich überlegte mir mit meinen verbliebenen Radfahrer-Hirnzellen, wie ich es am besten anstellen sollte:

a). Gleich zu Beginn der letzte Runde attackieren.
b). Auf dem letzten Sektor, also gut 2 km vor dem Ziel, versuchen weg zu kommen.
c). Einen Kilometer vor dem Ziel fliehen.
d). 500 Meter vor dem Ziel wegfahren.
e). Pokern und es auf den Sprint ankommen lassen.


Es ist gar nicht mal so einfach, Pro und Kontra abzuwägen, wenn man gleichzeitig auch noch Velofahren muss. a) passierte mir unfreiwillig, weil die Kolleginnen offenbar etwas mehr als erwartet müdeten. Der Speaker faselte etwas von "attaque" als wir zum Glockenbimmeln zum letzten Mal über den heiss ersehnten Zielstrich fuhren. Das wollte ich nicht, denn auch meine Kräfte waren mehr als limitiert und ich konnte UNMÖGLICH die letzten 8.6 Kilometer alleine vorne weg stampfen, zumal auch die Isländerin keine Gelegenheit ausliess, um weg zu kommen. Also Tempo raus und warten, bis alle wieder dran waren. Plan b). schien mir auch etwas gewagt, obwohl ich total gut positioniert war und mir die üblen Schotter keine Probleme bereiteten. Ich kam aber auch da zum selben Schluss wie bei Plan a): es ist zu früh und zu riskant. Natürlich wollte von diesem Punkt an keine mehr führen. Judith, die andere Oma (Tschuldigung!) in unserer Gruppe, wollte sich an dem Punkt tatsächlich in meinen Dienst stellen und meinte, sie bremse gern die Gruppe so gut als möglich aus, so dass ich fliehen könne. War superlieb gemeint, aber meine Beine waren ordentlich leer, der letzte Kilometer war laaaaang und ich wollte nicht kurz vor dem Zielstrich doch noch abgefangen werden. Also blieben nur noch zwei Möglichkeiten. Die Fahrerin aus Trinidad/Tobago und ich beäugten uns kritisch in Position eins und zwei, noch 500 Meter. Sie zog an, ich ging mit. Noch 400 Meter. Was hinten lief, bekam ich nicht mehr mit. Möglich, dass alle anderen Frauen an meinem Hinterrad klebten, möglich dass sie alle weg waren. Who cares? Ich schaltete rauf, trat an, beschleunigte mal eben schnell auf 52 km/h, schoss voll Karacho um die Zielkurven und überquerte den Strich als Zweite unserer Gruppe, aber wohl als einzige, die derart viele Trainingskilometer in den Haxen hatte. Hätte ich ja nie im Leben für möglich gehalten, das so was noch geht. Wie cool war denn das?! Von oben bis unten paniert, völlig ausgepowert und total glücklich habe ich auch diesen Krieg überlebt. Irre!

Sonntag, 1. April 2018

GP Osterhas

50 Runden galt es in Affoltern am Albis zu fahren - bei durchschnittlich knapp 3 Grad und Dauerschiff, dafür aber zusammen mit einer Horde wild gewordener Elite-Ladies. Das Kriterium gestern war superhart, aber total geil! Auf den ersten öppe 10 Runden hatte ich etwas Bedenken, voll um die Ecken zu schiessen, zumal es nicht nur glitschig und das Gebremse meiner Mitstreiterinnen im Pulk etwas unberechenbar war, sondern weil zusätzlich auch noch 4 Paar Gleise den Rundkurs von knapp 900 Metern zierten. Also war ich zu Beginn tendenziell eher am Ende des Feldes, also so beinahe mit einer Radlänge Abstand am Schwanz, total unvorteilhaft, ich weiss, besonders auf der 300 Meter langen Zielgeraden, auf der es einerseits schön fies rauf ging und es ausserdem jedes Mal Punkte zu ersprinten gab, folglich war da das Tempo immer noch etwas horrender und die Hektik unter den Fahrerinnen noch grösser. Also zusammengefasst: hässlich. 


Nach der obligaten "ich höre jetzt auf"-Krise nach knapp der Hälfte kämpfte ich mich zurück ins Feld und traute mich dann sogar einmal, frech mit einem Angriff mitzugehen. Leider gibt's aber für eine Dritte keine Wertungspunkte und ausserdem hatte ich damit dann meine Körner grad auch schon verschossen, so dass ich bald erneut hinten raus fiel und während 4 Runden mehr oder weniger solo fuhr. Mein Kampfgeist war aber ungebrochen und irgendwie gelang es mir dann, wieder Anschluss zu finden. 

Trotz widrigsten Bedingungen machte es unheimlich Spass, zusammen mit 42 anderen Frauen gut eine Stunde zu bölzen, Dreck statt Osterhasen zu fressen, um Positionen zu fighten, und ich bin ehrlich gesagt ziemlich stolz, dass ich den Zielstrich in der ersten Gruppe erreichen konnte. Eine Premiere, ein kleiner persönlicher Erfolg, wenngleich das Resultat auf der Rangliste nicht sooo brillant aussehen mag... Es het gfäget, ich bin unterdessen wieder aufgetaut und trocken und sogar der Schlamm ist wieder ab. Von mir aus darf dann aber jetzt der Sommer gern langsam kommen, von Regen, Schnee, Stürmen und Matsch hab ich genug, danke. 

Montag, 26. März 2018

Schmolke Carbon Cup Teil 3

kurz bevor mir das Lachen verging...
'Komm Mädel,  nicht abreissen lassen! Hopp, hopp, hopp, beiss in den Lenker, komm schon! Fahr das Loch wieder zu, denk an den Wind!' Jaja, wenn das nur so einfach wäre... Ausserdem möchte ich lieber nicht wissen, was die zahlreichen Zuschauer da an der Strecke dann hinter vorgehaltenen Händen tuschelten, sobald ich einmal mehr vorbei gewankt und wieder ausser Hörweite war. Ein Bild des Grauens muss ich abgegeben haben, so zumindest hat es sich angefühlt.

Nachdem ich am Samstag in Mauenheim auf der 5. Etappe wirklich alles restlos raus gehauen hatte, ging am Sonntag in Pfullendorf auf der finalen Etappe nicht mehr viel, obwohl mir diese Strecke mit dem etwas kürzeren Anstieg, der in einer 16%-Rampe gipfelte, an sich besser lag. Auch im Kopf ging nicht mehr besonders viel ausser etwas Selbstbemitleidung vielleicht. Theoretisch hätte ich ja die 55 Minuten plus eine Runde bloss durchradeln und das Ziel auf dem Sattel erreichen brauchen, denn dass ich die Gesamtwertung gewinnen würde, war an sich bereits nach dem 2. Rennwochenende klar. Aber eben. Sobald es Achtung, fertig, los! heisst, kippt in meinem Hirn ein Schalter und dann gibt's nur noch eines, nämlich subito ans Limit und am liebsten grad auch noch etwas darüber hinaus. 
oben Höhenprofil Mauenheim,
unten Pfullendorf

Allerdings war das in den beiden bergigen Etappen zugegebenermassen ein bisschen schwierig... In Mauenheim war die Rampe also echt übel und vor allem laaaaang, die schlecht asphaltierte Abfahrt zurück ins Dorf dann verwinkelt und zusätzlich auch noch mit einer Mur gespickt. Erholung gänzlich unmöglich. Nicht mal der deliziöse Quarkkuchen im Anschluss reichte aus, um über Nacht vollständig zu regenerieren. Vielleicht hätte ich das ganze Buffet verschlingen müssen?

Jedenfalls war ich dann am Sonntagmorgen ziemlich groggy und wollte eben nur eines, den Tag überleben. Dieses Mal ging dieser Plan immerhin auf, wenn auch gefühlt nur knapp. Wenigstens habe ich im Ziel dann nicht über den Lenker gereihert, so wie das die erste Dame tat. Sie schaffte es nämlich kaum noch bis zur Flower Ceremony auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Ansonsten gibt's nicht viel zu sagen: Das Racen tat an beiden Tagen so weh wie seit Paris Roubaix ab etwa Kilometer 160 nicht mehr, taktieren konnte ich nicht, weil ich am Berg einfach viel zu wenig Power hatte um dran zu bleiben und dann allein in der Fläche zwar jeweils probierte, wieder an ein Grüppchen ran zu fahren, dies aber im Gegenwind schier unmöglich war und ja... Immerhin lachte an beiden Renntagen die Sonne vom Himmel, so dass es endlich, endlich die ersten zaghaften Bräunungsrändchen gab.
Rangverlesen im Rest. Frieden

Ausser Spesen nix gewesen trifft es wie gesagt ganz und gar nicht, denn ich habe mir in den vergangenen 16 Tagen nebst 3 Tagessiegen und der erfolgreichen Verteidigung des ersten Leadertrikots meines Lebens eine gewisse Rennhärte geholt, von der ich hoffentlich in der weiteren Saison profitieren kann, dabei ganz nebenbei immer flotte Leute kennengelernt und erst noch regelmässig schöne Blümchen mit nachhause nehmen dürfen. Trotz Müdigkeit ist mein Endorphinspiegel massiv erhöht, meine Freude am Pedalieren ungebremst und ich habe definitiv Lust auf mehr. So eine coole Sache, dieser Schmolke Carbon Cup!!!