Mittwoch, 26. September 2018

Er & Sie reloaded

Fotos: Anthony Walker
Ich freute mich unheimlich auf das Saisonfinale in Fulenbach, wo wir uns zum 3. Mal in Folge in der Disziplin Paarzeitfahren über 20 km messen wollten, während er nach der WM in Varese überlegte, sein gesammeltes Material zu verhökern um endgültig und unwiderruflich in den sportlichen Ruhestand zu treten. Solche sind unsere Probleme als Paar, tatsächlich, wir kämpfen nicht mit- oder gegeneinander um Kaffeetassen, die im ganzen Haus aus Versehen herumstehen bleiben oder ungebügelte und erst noch falsch zusammen gefaltete Unterhosen, sondern höchstens darüber, welche Räder nun bei den zu erwartenden Sturmböen wohl die geeignetsten wären oder wieviel Abstand ich deswegen zu seinem Hinterrad anpeilen sollte, um ihn nicht zu rammen und in den Strassengraben zu manövrieren. Auf unserem Startfoto ist unschwer zu erkennen, dass unsere Beziehung in der Regel tatsächlich harmonisch und entspannt ist.

Und so stürzten wir uns also gemeinsam auf den Rundkurs, er mit 900 Watt, also mit nicht soooo viel und völlig im normalen Bereich, besonders für eine 60 kg leichte Frau, so dass ich nach wenigen Augenblicken zum ersten Mal zu etwas mehr Ruhe und Gemütlichkeit mahnen musste. Was wiederum ziemlich atypisch ist für unsere gemeinsamen Zeitfahren. Möglicherweise habe ich aber tatsächlich so einiges gelernt in diesem langen Rennsommer, zum Beispiel eben das Pacen... Die krassen Böen und damit einhergehenden Windkanten sorgten dafür, dass die Expedition deutlich schwieriger als in den vergangenen Jahren wurde. Ich positionierte mich im Grunde immer genau richtig, dennoch musste ich härter stampfen als normal. Und das Pacen vorne war mit den Winden ebenfalls um einiges tückischer.

Immerhin: nach der 1. Runde war ich gefühlt noch nicht total im Eimer, das Drosseln des Tempos hatte sich also als ein durchaus smarter Move entpuppt. Kurz nach Überqueren der Startlinie begannen wir, die vor uns gestarteten Paare aufzusammeln, was den Don Carbone jedes Mal zu neuen Wattleistungen beflügelte, während ich mit Ach und Krach am Rad kleben blieb und in konstanten Abständen meine "Hos!" brüllte. Und so erreichten wir dann gemeinsam die letzte Kurve, wo wir noch schnell ein tückisches Manöver um einen Handbiker und ein im Weg stehendes Auto machten, bevor wir in trauter Zweisamkeit das Ziel erreichtet.  28 Minuten harte, aber total fröhliche Beziehungsarbeit, die wir mit einem verschwitzten, verschlabberten Kuss besiegelten. Übrigens eine empfehlenswerte Art, Geld für den Therapeuten zu sparen ;-)

Ganz nebenbei konnten wir zufälligerweise unseren Hattrick komplettieren und unsere Saison so mit diesem gemeinsamen, grandios-furiosen Ritt ausklingen lassen, was mir unheimlich gut gefällt, also der schnelle Ritt zu zweit, kurz und heftig. Es tut zudem seinem und meinem Ego gut, mit nicht allzu viel Druck und hohen Erwartungen, sondern aus reiner Freude und Lust  an einem Rennen teilzunehmen, was abgesehen davon immer vernünftiger wäre. Aber wer ist schon gern vernünftig?! 

Montag, 3. September 2018

UCI Granfondo Worldchampionship Road Race

Nach dem Zeitfahren am Donnerstag freute ich mich auf zwei Tage Erholung, bevor es dann am Sonntag mit dem Strassenrennen noch einmal zur Sache gehen sollte. Dass mich das Wetter während meinem Kurzurlaub ins Hotelzimmer statt an den See verbannte, war mir eigentlich egal, denn ich hatte mit einem superdicken Schunken wohlweislich vorgesorgt. Etwas ungewohnt war es aber zugegeben schon, 48 Stunden wirklich nur herumzugammeln und grad gar nichts zu tun ausser relaxen, essen, lesen und schlafen...

Ja, und dann riss am Samstag Abend der Himmel doch wieder auf und ich konnte noch kurz meine Beine etwas schütteln gehen, die sich richtig richtig gut anfühlten nach so viel Pause. Mir war bewusst, dass das Race am Sonntag deutlich härter werden würde als das Zeitfahren, nicht nur, weil es viel länger dauerte natürlich. Die Strecke kannte ich zur Hälfte ja bereits vom letzten Jahr, ein ganzer Haufen heftiger Anstiege und ein paar Rampen (insgesamt erwarteten mich fast 2000Hm), die mir als Sprinterin eher nicht so liegen, dafür dann eben auch technisch anspruchsvolle, enge Abfahrten, worauf ich mich echt freute, denn da würde ich richtig brillieren. Es sei denn, ich würde zu den rund 10% Fahrern gehören, die wie im Krieg das Ziel aus irgendeinem Grund nicht erreichen würden. Der Plan für meine 130 km lange Cappuccino-Fahrt war daher einfach und klar: ohne Lackschaden oder gar Schlimmerem finishen!


Da erfahrungsgmäss die ersten paar Kilometer besonders hektisch gefahren werden und in den beiden Tunnels vergangenes Jahr das Carbon ordentlich schepperte und mehrere Fahrerinnen zu Boden gingen, weil blödsinnig manövriert und gebremst wurde, reihte ich mich frech hinter der amtierenden Altersklassenweltmeisterin und den Quali-Siegerinnen ein, um eventuelle Risiken zu vermeiden. Was sich als guter Move herausstellte, denn schon in der gut 10 km langen Anfahrt zum ersten Pässchen säumten Verwundete den Weg: da sass eine Kiwi, die grässlich aus dem Gesicht blutete, dort blinkten die blauen Lichter der Ambulanz, hier mahnten die Streckenposten wild mit der Fahne fuchtelnd zur Vorsicht, weil hinter dem Strassenteiler bereits einer lag, schlimm, echt übel...

An der ersten Rampe dann zog die Spitzengruppe weg, ich gab mir aber Mühe und biss weiter, so dass ich mich auf der Abfahrt dann zwischen einige Italienerinnen einreihen konnte, mit denen ich die nächsten fast 4 1/2 Stunden verbrachte. Ja, was soll ich über das Rennen sagen? Es war brutal hart, es war recht lang, die Strecke war aber landschaftlich und topografisch supermegamässig schön, ich fühlte mich die meiste Zeit wie eine antike Superheldin, sprich stark und unzerstörbar, ich leistete ziemlich viel Führungsarbeit in den Ebenen, in den Wellen und über die beiden Pavé-Sektoren. Irgendwie tat es gut zu merken, dass die meisten anderen in unserer Gruppe im Verlaufe der ersten 3 Stunden ziemlich an Kraft verloren und zunehmend sogar bergauf schwächelten. So was beflügelt, da kann man nichts machen  Natürlich ist es vermessen zu denken, dass man die Runde ohne Krise fahren kann, und nach 90 km wäre ich also auch gern in den Besenwagen gestiegen, wenn der zufälligerweise grad da gestanden hätte. Mein Rücken schmerzte wie blöd, und ein paar Kilometer später dann schienen auch die Haxen zu krampfen. Doch dank etwas Salz erholte ich mich erstaunlicherweise rasch wieder und versuchte sogar ein paar Mal, von der Gruppe weg zu kommen. Was natürlich auch eine ziemlich doofe Idee war. Immerhin schüchterte ich die Gegnerinnen so noch einmal etwas ein und machte ein für alle Mal klar, was wir Eidgenossen für welche sind.

Der 3 km lange Schlussanstieg war dann wie erwartet zu viel und ich musste die Schwedin, die Belgierin und eine Italienerin ziehen lassen. Als ich dann endlich die Flamme rouge passierte, forcierte ich noch einmal, denn Nummer 7102 wollte ich keinesfalls bis ins Ziel ziehen. Sie klebte aber hartnäckig an meinem Hinterrad fest und wollte dann 400 m vor Schluss sogar noch an mir vorbei ziehen. Nee du, ich fluchte kurz wüst und beschleunigte ein letztes Mal rasch auf 50k/h. Naja, damit hatte sie dann doch nicht gerechnet... Was für ein cooler Höllenritt das war!!! Total happy klatschten wir Gruppen intern miteinander ab. Das Resultat war und ist mir ehrlich gesagt ziemlich schnuppe (21. meiner AK). Ich hatte jede Menge Spass, den Vormittag mit einem Rudel Frauen zu fighten, gemeinsam über die Hügel zu heizen, trotzdem zusammenzuarbeiten und so etwas Grossartiges zu leisten, auch wenn das den Rest der Welt nicht besonders interessiert. Nun nehme ich es zumindest die nächsten Tage wieder etwas ruhiger...

Freitag, 31. August 2018

UCI Granfondo Time Trial Worldchampionship

Mein letzter Start an einer Altersklassen-WM liegt schon einige Jahre zurück und war ehrlich gesagt ein ziemliches Debakel, dies wollte ich im Zeitfahren in Varese auf keinen Fall wiederholen. Aber so ganz tiefenentspannt war ich dann irgendwann im Verlauf dieser Woche doch nicht mehr... Etwas Druck machte mir meine neue Klasse, die mir vor der Abreise Fanpost und (Trost?) Schoggi zusteckte und mir per Videobotschaften ganz klar zu verstehen gab: Frau Lehrerin solle gefällig als Weltmeisterin zurück in die Schulstube kehren, weil kann nicht, gibt's nicht. Also no pressure at all...

Spätestens beim gemeinsamen Strecken-Rekognoszieren,  welches explizit nicht als Rennen deklariert war und trotzdem zu einem mutierte, wurde man mit Blicken taxiert, studierte aber gleichzeitig selber die Waden der Konkurrentinnen, welche zum Teil bereits dermassen in die Pedalen drückten, dass ich nicht wissen wollte, wie die dann im eigentlichen Rennen das Tal hochdonnern würden. Ich jedenfalls hatte einen Plan: Für einmal das Rennen doucement angehen, also nicht schon auf den ersten Metern die Sternchen tanzen lassen, sondern die ersten 3 Minuten
vernünftig fahren und den Puls so langsam hochzuschrauben. Was aber ehrlich gesagt schwierig ist, wenn man dann so langsam Richtung Schafott vorrückt und das Herz sowieso macht, wozu es Lust hat.  Ich hatte Lust, alles rauszuhauen. Das Gefühl, wenn man nach dem Aufwärmen von der Rolle steigt und weiss, dass der Start unaufhaltsam näher rückt, wenn man die technische Kontrolle erst mal hinter sich hat und man trotz Adrenalin unglaublich ruhig wird, wenn sich die Gedanken bündeln und man mit der Maschine zu einem Ganzen verschmilzt, das finde ich immer wieder total irre. Und wenn man dann sogar noch die Nationalfarben trägt, dann ist das schon ein geiler Moment. 

Ja und dann, dann geht's los. Man hört unter dem Helm seinen Atem und das Herz scheint beinahe zu bersten, die Räder rattern, die Muskeln sind zum Zerreissen gespannt, die Kurbeln drehen sich, man versucht, in der aerodynamischsten Position zu bleiben, obwohl der ganze Körper schreit, man solle gefällig aufhören mit dem Quatsch. Etwa so kann man sich das vorstellen. Könnte man ja auch mal zuhause auf dem Sofa ausprobieren, sich in einer total unmöglichen Position hinzufläzen und diese eine gute halbe Stunde lang auszuhalten. Aber wer macht das schon freiwillig?! 


Man kann sich nicht vorstellen, was innerhalb von 36 Minuten alles abgeht auf so einem Ritt, sogar dann nicht, wenn man das wie ich immer mal wieder ausprobiert. Wieviel Anstrengung es kostet, weiter zu machen, weiter zu kurbeln, obschon die Beine längstens brennen, den Kopf weiter zwischen die Schulterblätter zu zwängen, auch wenn man nichts lieber täte als nur mal für einen winzig kurzen Augenblick nur den Kopf hängen zu lassen um den Nacken etwas zu entspannen. Wie weh es tun kann, zu atmen, wenn das Herz zu zerspringen droht, wenn der Rotz einfach so rausläuft und der Körper vor Hitze zu explodieren scheint. Also wenn ich das so lese, muss ich sagen, so ganz normal ist das definitiv nicht. Aber es macht Spass. Wirklich! Man fühlt sich total lebendig, stark wie ein griechischer Superheld in der Antike, unbezwingbar und für alles bereit. Zugegeben, man muss den Körper schon bewusst zwingen, er solle gefälligst weiter machen bis zum Zielstrich. Insbesondere dann, wenn eine Athletin an dir vorbei radelt und du sofort kalkulierst, wieviel Zeit du bereits eingebüsst hast. Dann trotzdem weiter zu fighten, weiter zu drücken, zu kämpfen, weil das Rennen erst im Ziel fertig ist, das braucht schon ein bisschen mentale Stärke und positives Feedback vom Körper ans Hirn. Aber wenn ich eins kann, dann ist es das. An besagter Konkurrentin bin ich nämlich noch einmal vorbei gezogen, allerdings nur bis zur letzten Rampe, da hat sie mich dann ein für alle Mal stehen lassen und mir bis zum Zielstrich doch noch 37 Sekunden abgenommen. Item. Ich war die 6. schnellste Frau der W40-44 und das ist definitiv um einiges besser als 63. zu werden wie beim letzten Versuch. Vor allem aber hatte ich trotz oben beschriebener Plackerei unheimlich viel Spass, konnte ausgiebig Socializen und meine Sprachskills nutzen, habe dabei mindestens zwei Menschen den Tag gerettet, konnte darüberhinaus den Gelati-Pegel endlich wieder einmal auf einen akzeptablen Mindeststand heben und kehre mit einem Haufen schöner Erinnerungen zurück ins Normaloleben.

Mittwoch, 22. August 2018

Der Countdown läuft

Meine epische Grand Tour von Berlin nach Venedig ist bereits wieder gefühlte Lichtjahre weit entfernt, aber all die Eindrücke und Emotionen kann ich immer noch nicht recht in Worte fassen... Die 1250 km lange Tour durch Brandenburg und Sachsen, übers Erzgebirge, durch den wilden, verlassenen Böhmerwald, über den Arber, den Sagen umworbenen Hirschbichl mit seinen 23% Rampen, dann einmal quer durchs charmante Bayern, über die Grossglockner Alpenstrasse, später dann noch einige mehr oder weniger einsame Dolomitenpässe, und als Grande Finale dann tatsächlich nach Venedig einrollen und dort das lange ersehnte Gelati essen - wow! Wer sich im Detail dafür interessiert, kann sich gerne den lustigen Reiseblog auf quaeldich.de reinziehen, bei dem auch ersichtlich wird, wieso wir beiden Quotenfrauen in Gruppe 1 bleiben durften. Für alle Bölzer, Radtouristen und Pässefresser aller wärmstens zu empfehlen, das Reiseprogramm 2019 steht nämlich schon und die Plätze gehen erfahrungsgemäss weg wie warme Semmeln.

Aber nach dem Abenteuer ist bekanntlich vor dem Abenteuer: Kommende Woche darf ich bereits wieder nach bella Italia reisen, um mich dort an der UCI Granfondo WM sowohl im Einzelzeitfahren als auch im Strassenrennen an den Start zu stellen. Die Form stimmt, die Motivation ist gigantisch, der aktuelle Nervositätspegel erstaunlich tief. Ich bin recht entspannt und freue mich einfach, am Donnerstag raushauen zu dürfen, was geht. Das sonntägliche Strassenrennen über 130km und fast 2000Hm absolviere ich dann als reine "Genussfahrt".

Dooferweise kann ich drum aber nicht wie im vergangenen Jahr versuchen, am nEVEREST 10 Mal die Buchenegg und den Albis zu bezwingen...Trotzdem bin ich am Start, irgendwie zumindest, und falls dir Kinder und Bildung nur ansatzweise so wie mir am Herzen liegen, dann gib dir doch einen Schubs und 
a) melde dich grad selber zum Mitmachen an, 
b) lass dich am Türlersee als Zuschauer und Fan kulinarisch verwöhnen, 
c) übe im Strandbad auf dem Sprungbrett coole Tricks, damit du mich im 2019 zu einer Challenge herausfordern kannst, 
d) Spende direkt einen kleinen oder grossen Betrag, weil garantiert 100% der Gelder in die tollen IronShark-Projekte fliessen oder 
e) melde dich bis Mittwochabend 29.8. per Message bei mir, warte dann meine Klassierung im Zeitfahren über 22 km ab und multipliziere meinen Rang mit 10 Fränki, alsdann überweise den errechneten Betrag mit dem Vermerk "nEverst Mrs S" über hinterlegten Link

Ich lagere in der Zwischenzeit die Beine etwas hoch, mache dann nächste Woche die Knie lang und bedanke mich jetzt schon für deinen Support. Cheers!

Dienstag, 10. Juli 2018

Berlin - Venedig


Mein nigelnagelnagelneues Sonne-über-Frauenfeld-Kurzdorf-Ehrenmitglied-Trikot ist gepackt und Samstag geht's nun endlich los: zusammen mit Don Carbone und rund 70 weiteren Velofreaks pedaliere ich von Berlin nach Venedig. Eine Transalp Deluxe - ohne Startnummer und Stoppuhr, organisiert von Quäldich.de (der Name ist NICHT Programm) - quer durch die endlosen Weiten Brandenburgs und Sachsens, durchs mythische Erzgebirge mit Tiefblicken in die böhmische Ebene, durch den wilden Böhmerwald, rein ins Voralpenland, über rund 20 Pässe, darunter so Brocken wie der Grossglockner und eine kleine Selektion der schroffen Dolomiten, bis runter an die Adria zur berühmten Rialto-Brücke, wo ich mir dann 100%-ig ein supergrosses, überteuertes Gelati gönne!

Donnerstag, 28. Juni 2018

SM Einzelzeitfahren

Oder: Success isn't about the end result, it's about what you learn along the way...

Was ich da so recht einfach und flott von der Hand dahin schreibsle, ist emotional alles andere als leicht zu verdauen... Auf der Rangliste dieses sehr anspruchsvollen, bergigen Einzelzeitfahrens prangt mein Name nämlich einmal mehr nicht glanzvoll im vorderen Teil, sondern man muss ordentlich weit nach unten scrollen... 

Das Feld war extrem stark besetzt, alles was im Schweizer Strassenradsport, MTB und sogar im Triathlon Rang und Name hat, versammelte sich gestern Nachmittag in Schneisingen, um im Abstand von einer Minute von der berühmt-berüchtigten Rampe zu rollen. Dass ich da als alterndes Greenhorn nicht vorne mitmischen würde, war mir selbstverständlich von Anfang an klar. Dass ich aber derart exekutiert würde von der Konkurrenz und satte 7 Minuten auf die absolut grandios-furios fahrende Nicole Hanselmann verlieren würde, und das auf nur 18 Kilometern wohlgemerkt, das hat mir gestern Abend also doch ziemlich zugesetzt... Ich habe alles gegeben, sicherlich hätte ich die ein oder andere Kurve noch etwas aggressiver fahren können und mich am Berg noch mehr quälen müssen, aber 7 Minuten?! Auch dass mich das Postauto auf der letzten Abfahrt vor dem Schlussanstieg ins Dorf ausgebremst hat, macht den Braten nicht feiss, das waren vielleicht grad mal 20 Sekunden. Ich wollte schon meinen ganzen Sportkrempel zum Schnäppchenpreis ausschreiben und mich den gemütlicheren Dingen des Lebens wie Klavierspielen, Yoga machen oder Kuchen backen widmen, doch ich wäre nicht ich, wenn... 

Reframed betrachtet war es doch erstens eine ganz coole Sache, bei sommerlichen Temperaturen zusammen mit den besten Fahrerinnen des Landes an diesem durch und durch professionell organisierten Rennen durch die Aargauischen Hügel zu heizen. Zweitens: gerade mal 24 Frauen der pedalierenden Schweizer Bevölkerung haben sich überhaupt an die Startlinie getraut, alle anderen blieben daheim, von daher gesehen bin ich jetzt immerhin für ein Jahr die 19. schnellste Dame, womit sich der Rang von allein relativiert. Zudem finde ich es einfach unglaublich toll, wenn sich junge und ältere Ladies zusammen tun um Spass zu haben. Wobei man den Begriff 'Spass' möglicherweise schon mal noch diskutieren müsste... Noch toller wäre es, wenn mehr mitmachen täten und die Medien vielleicht auch mal ein, zwei Sätze über die unglaublich starke Leistungen der etwas weniger bekannten Fahrerinnen verlieren würde. Nichts gegen die Performance von Nicola Spirig, aber die Szene im Ziel, als Nicole, die frisch gebackene Schweizermeisterin, total ausgepowert und bleich im Gesicht hinter der Finishline mit einem Vorsprung von fast 40 Sekunden fast vom Velo kippte, sich aber sämtliche Reporter nur für die Zweitplatzierte interessierte, hm... Irgendwie tat mir das einfach leid.  

Was habe ich gelernt? Es dreht sich nicht alles um Ruhm und Ehre. Kräht eh kein Hahn danach. Der Weg ist das Ziel. Meine persönlichen Zielsetzungen, die Bemühungen und Anstrengungen, diese irgendwie möglicherweise irgendwann vielleicht doch einmal zu erreichen, und vor allem der Spass und die Freude an der Sache, das macht's aus!

Samstag, 9. Juni 2018

Tour de Suisse Challenge Frauenfeld

Es ist einfach immer etwas ganz Besonderes, auf heimischem Boden einen Wettkampf zu bestreiten, ganz egal ob als Leichtathletin, Triathletin oder neuerdings als Velofahrerin. Heute Morgen stand das Einzelzeitfahren für uns Hobbyathleten auf dem Programm, bevor dann nachmittags die Cracks im Mannschaftszeitfahren - minim schneller als ich - über den Asphalt bretterten.

Die Strecke von gut 18 km, nett coupiert mit zwei knackigen Anstiegen, welche die Beine öfter auch im Training brennen lassen, kenne ich aus dem Effeff, wodurch die Fahrt allerdings unterm Strich dann nicht wirklich angenehmer wird. Zeitfahren ist und bleibt brutal hart, Leben am Limit sozusagen. Aber das Gefühl, nach dem Countdown von der Rampe zu rollen, zu versuchen, den Puls nicht schon auf den ersten 100 Metern in den dunkelroten Bereich schnellen zu lassen, den Atem irgendwie möglichst lange zu kontrollieren, seinen Rhythmus zu finden, sämtliche Fasern im Körper zu spüren, die Muskeln einfach ihre Arbeit machen lassen, rund zu treten und dabei mit der Rakete unterm Hintern zu einer Einheit zu verschmelzen, das ist einfach unglaublich berauschend! Und wenn dazu dann noch eine komplett gesperrte Strecke kommt, dann ist das einfach phänomenal geil!!!

Ich genoss während den gesamten 30 Minuten den Fight gegen mich selber, war bereit wirklich alles zu geben, litt auf den letzten 4 Kilometern unglaublich und plumpste drum dann hinterm Zielstrich nur mässig elegant vom Hobel. Ich war extrem zufrieden mit der ganzen Fahrt und hätte unmöglich noch mehr aus mir rausholen können. Trotz diesem Effort wurde ich dann aber letztlich nur Vierte, da der Veranstalter zwecks Förderung des Damenrennsports die Crème de la Crème der Schweizer Radsportszene eingeladen hatte und sich eben diese durchaus sympathischen Damen leider auch bereits in fortschreitendem Alter, also in meiner Kategorie, befinden... Unsere Altersklasse war dann auch mit Abstand die schnellste, eine mir unbekannte schnelle Schwedin mischte ebenfalls noch mit, und so ging ich dann halt leer aus, also zumindest gab’s keinen Blumenstrauss und kein Bier. Also irgendwie ja dann doch, denn Don Carbone mischte schön mit den Herren mit und durfte bei den Masters III aufs Treppchen. 
;-)