Montag, 22. Juli 2013

Bonnes vacances!

Einfach nur unbeschreiblich schön!

10 Tage Alpes de Haute-Provence, 10 Tage Tapetenwechsel, 10 Tage Ferien! Endlich. Im 400 Seelen-Dorf Cruis konnte man so richtig die Seele baumeln lassen weil es nichts gab ausser Atem raubende Blicke in die Natur aus dem Liegestuhl, heisse Sommerluft mit all ihren unverkennbaren südfranzösischen Düften. Abends am Gästetisch dann jeweils ein kulinarisches Highlight nach dem anderen. Ferien wie aus dem Bilderbuch. Doch noch viel schöner als das Savoir Vivre im Vitaverde waren die unzähligen Touren auf Gottverlassenen Strassen und Strässchen über Cols und Hügelchen, Puimichel, Fortbelle und wie sie alle heissen, mit bis zu fast 30km langen Anstiegen über sanft gewundene Serpentinen ohne jeglichen Verkehr, weit weg von der Zivilisation. Einfach klasse!

Ein ganz besonderes Highlight war dann aber schon die TdF-Schlacht am Mont Ventoux. Noch nie habe ich so viele Hobbyradfahrer an einem Berg gesehen, alles was etwas Fahrbares besass irgendwo in Europa, so schien es zumindest, kroch aus den Löchern und strampelte von Sault aus die 20 km rauf ins Chalet Reynard. Das war ein Spektakel! Und es machte irre Spass, wie auf Schienen einfach rauf zu brettern! Ab dem Chalet säumten hunderte von Campern die Strasse und eine Fangemeinde, die sogar uns Normalsterblichen zujubelten als wären wir Anwärter aufs Maillot jaune. Sagenhaft! Das verlieh echt noch einmal Flügel und so schoss ich dann regelrecht rauf bis fast 1 km vor dem Ziel, wo wir beinahe 5 Stunden auf die Fahrer warteten. Nachdem irgendwann der gigantischen Tourtross  an uns vorbei gezogen war, erschienen schon bald die Helikopter, als ob grad ein Krieg ausgebrochen wäre. Und dann endlich Monsieur Froome in Zeitlupe. Ich fand es unheimlich eindrücklich, wie die ausgemergelten, verstaubten und mit zu Fratzen verzerrten Gesichtern Herren TdF ennet dem Limit an uns vorbei defilierten. Schleck wurde von einem Kollegen geschoben, und Albasini winkte uns mit einem schiefen Grinsen zu, nachdem wir recht penetrant auf uns aufmerksam gemacht hatten. Allesamt sahen sie elend aus, diese Helden...

Unterwegs irgendwo in der Pampa,
am Limit an der letzten Ventoux Rampe
und seeeehr stolz dann oben!
Ja, und nachdem ich die Tour respektive Tortour hautnah miterlebt hatte, war meine Ehrfurcht vor dem legendären Berg zu reiner Angst geworden. Am Mittwoch wollten wir von Revest-du-Bion via Sault und durch die Gorges de la Nesque nach Bédoin gut 50 km locker einfahren und von dort dann den Gipfel erstürmen. Irgendwo sagte eine Quelle, Amateurfahrer bräuchten im Schnitt 3 Stunden rauf und ja... Muffensausen wäre untertrieben. Doch dann beim Startstrich am Dorfrand von Bédoin wurde das alles unwichtig. Es gab nur noch mich, meinen rasenden Herzschlag und brennende Oberschenkel. Die Strasse mit den Namen von Fahrern, Flaggen und Anfeuerungsparolen bemalt, ein mystisches Wäldchen an der endlosen Steigung und nicht wenige Amateurfahrer, die man immer wieder als Zwischenziel anvisieren konnte. Nach knapp 80 min war ich im Chalet, dem einzigen Ort, wo ich für wenige Augenblicke meine Beine hängen lassen konnte, hastig etwas Nahrung runter schlang um dann in die letzten Rampen zu donnern. 6 km in der Einöde, immer wieder den Blick zum Gipfel auf 1912 m.ü.M, der einfach nicht näher kommen wollte. Vorbei an Menschen, die zu sterben schienen auf ihren Rädern, die ihre Velos schoben oder einfach nur noch am Strassenrand sassen. Unglaublich. 507 Meter vor dem Ziel dann der letzte Stein mit einer Steigung von 11% - das war dann sozusagen das Aus. Mit letzter Kraft und viel Wille schaffte ich auch das und stand nach 1h 52min mit wackligen Beinen oben. Wow! War das geil J

Auch in den letzten Tagen machten wir unsere Türchen und konnten einfach nicht genug davon bekommen. So kam es, dass wir am Samstag zum Abschluss noch einen 100er fuhren, bevor es am Sonntag dann leider schon wieder nachhause gehen würde. Peter kochte uns extra ein währschaftes Radlernachtessen, dazu gab’s wie immer einige Gläser Wein.
Fette Beute: Kulinarisches aus der
Provence und etwas Edelmetall
für magerere Tage ;-)

Am Sonntag dann 300km nach Genf, wo wir noch rasch an der Sprint-SM vorbei schauten. Ich war alles andere als giggerig auf ein Rennen, so schön waren doch die Ferien gewesen mit den stressfreien langen Velotouren und dem anschliessenden Faulenzen. Aber ja, man kann’s ja mal probieren, so aus dem Urlaub raus... Und siehe da: Obwohl ich wie ein Schwan im Genfersee rum gurkte, auf dem Rad zwar schnell war aber die Beine schon vorher sauer, und sich die Motivation zum Laufen in Grenzen hielt, gab ich auf dem letzten km alles, als Stephanie an mir vorbei wollte. Nein, ich wollte nicht wieder 5. werden. Nein, ich hatte keine Ahnung, wo ich stand. Nein, ich schenkte mir und Stephanie nichts. Mit einem dramatischen Finish auf dem blauen Teppich sprintete ich durchs Ziel und landete so auf dem Podest: 3. Rang im Circuit Sprint und Silbermedaille an der SM – was für ein Abschluss für weisch-wie-schööni-Ferie!

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