Sonntag, 17. August 2014

DSS

Mit sehr gemischten Gefühlen ging ich heute früh an den Start: Ich freute mich, nach der langen Sommerpause endlich wieder einmal zu racen, und dann noch dazu in einer der schönsten Gegenden der Region, ich wollte unbedingt meinen Overallsieg vom vergangenen Jahr verteidigen und ja... Andererseits habe ich in den letzten Wochen sozusagen nichts trainiert, ich habe mich bewegt, das ja, bewegt um den Kopf durchzulüften und meine Gedanken zu sortieren, mal eine halbe Stunde joggen, gelegentlich einen lockeren km schwimmen, vielleicht auch mal noch aufs Velo, aber von Training, das ich sonst als solches verstehe, war das alles weit entfernt... Eine grosse traurige Müdigkeit, kein Triathlon-Burnout, nein, nein, mein ständiger Begleiter. Aber egal: Ich wollte einfach unbedingt starten und wenn es mit dem Grind durch die Wand gewesen wäre...

Die OK-Mitglieder begrüssten mich persönlich mit Handschlag, was schon fast etwas VIP-mässiges hatte. Den blauen Teppich rollten sie jedoch nicht extra aus, obwohl der heute durchaus sinnvoll gewesen wäre nach all den Regenfällen der vergangenen Tage...  Wir waren etwas knapp dran, fuhren aber trotzdem noch schnell 10 km ein, und schon stellte ich mich zwischen all die Herren und die Blaualgen in die erste Reihe am Ufer. Selten musste ich auf 500 Metern so viel einstecken: Schon vor der ersten Boje wurde ich voll eingekeilt, eingequetscht wie ein Brettli im Hobelbank, runter gedrückt, und kaum hatte ich japsend wieder etwas Luft in den Lungen, überschwamm mich der Nächste brutal. Nicht lustig! Kurz vor dem Ausstieg wurde ich dann von einem anderen Kerl abgeschossen, ähnlich wie wenn Wale Delfine jagen, also voll rein in die Flanke, autsch! Da nützt auch eine non-plus-ultra GPS-Uhr nichts...

Danach ging’s durch knöcheltiefen Schlamm in die geflutete Wechselzone, wo ich dank steif gefrorenen Fingern einen mässigen Wechsel hatte. Recht locker kurbelte ich dann als erste Frau los. Die leicht veränderte Radstrecke entsprach total meinem Gusto: Einige hübsche Rampen, dazwischen eine schnelle Abfahrt, ein paar Wellen und Ecken, also recht selektiv, aber leider nur 21 km. Drafting war zwar nicht offiziell erlaubt, aber eben auch nicht verboten, und so machte ich heute einmal das, was ich sonst nie mache: Ich liess mich zwischendurch tatsächlich auch mal hinter die Typen an meinem Hintern fallen und die Beine hängen. Der Puls sackte sofort ab, gefühlsmässig hätte ich so noch Nägel lackieren oder zumindest ein Kaffekränzchen abhalten können, aber dafür war ich ja nicht gekommen. Also wieder nach vorne, attackieren, stampfen, keuchen, kurz vor der Explosion - genau so muss ein Rennen sich anfühlen! Dummerweise habe ich dann noch meine Kette vermurkst, musste anhalten und das verklemmte Ding wieder aus der Kassette raus klauben und habe so halt „meine“ Gruppe verloren. Ist ja Wurst.


Ich fühlte mich fit wie ein Turnschuh als ich vom Hobel stieg, nur in den verdammten rechten Turnschuh rein kam ich nicht! Auch Wechsel Nummer 2 war mies, dafür konnte ich mit guten Beinen los spurten, entlang am nördlichen Ufer des Hüttwilersees, mit einer grosszügigen Schlaufe um die Ruine Helfenberg herum und wieder zurück. Eine Strecke, die ich im Winter x-mal per Bike gefahren bin und sozusagen an meinem versenkten Veloportemonnaie inkl. 2-Fränkler vorbei. Fühlte sich heute aber definitiv viel besser an, wärmer, sonniger, flockiger. Ich hatte keine Krisen und konnte die 6 km zügig abspulen. Ich freute mich riesig, dass es wie am Schnürchen lief, das alles erst noch im jungfräulichen Swiss Zoot Dress, das wie angegossen sass, und durfte mit einem Riesensmile, einer eleganten Verbeugung und als erste Dame des Tages die Ziellinie überqueren, wo ich auch gleich noch einen Siegerkuss von Don Carbone erheischte. 

Ein wunderbares Sonntagmorgen-Programm an einem herrlichen Ort, bei tollen Wetterbedingungen und von einem jungen, dynamischen und vor allem sehr sympathischen Grüppchen organisiert. Es war super, danke!!!

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