Sonntag, 28. September 2014

Mrs S lebt!

Heute habe ich es nun endlich gewagt, den Stein vor meiner Höhle einen Spalt breit zur Seite zu schieben und endlich wieder einmal einen Blick in die grosse, weite Welt hinaus zu werfen. Oder anders formuliert: Ich lasse die Welt wieder einmal in meine bescheidene Höhle gucken...

So verheissungsvoll mein sportlicher Sommer begonnen hatte – tolle Form, grosse Motivation, Freude am Training und an den Races,  geniale Trainingsbedingungen in Frankreich, Vorfreude auf die 2. Saisonhälfte,... – so abrupt endete das dann alles. Manchmal kann man das Schicksal nicht beeinflussen und muss sich dann dem Leben stellen, ohne Anspruch auf ein Wunschkonzert. Bitter, traurig, brutal. In der Phase ertrug ich einfach alles „Normale“ nicht mehr: Menschen, Smalltalk, Jammern über das nasse Wetter, Rennberichte, Trainingslager, Familien- und all die anderen netten Fotos auf fb,... All das schien mir nichtig wenn nicht gar dumm. Oder noch schlimmer. Mein Leben wurde eben mal grad von einem Tag auf den anderen um 180 Grad auf den Kopf gestellt, es gab da keinen Teppich mehr unter den Füssen, nur gähnende Leere. Keine Kraft, keine Energie, keine Zeit, nichts. Und nein: Ich leide weder an einer Sportlerdepression noch Übertraining oder einem Burnout. Das Leben hat einfach verdammt hart zugeschlagen und darauf kann man sich nicht vorbereiten, da nützt keine mentale Stärke noch Power noch Ausdauer. An dieser Stelle jammere ich aber nicht. Mir, uns allen, geht es gut. Immer. Ich habe alles: ein Dach über dem Kopf, Nahrung im Kühlschrank, einen Job, den Partner und die Familie. So einfach ist das.

Nun rapple ich mich langsam wieder auf. Ich bin froh um all die Menschen, auch diejenigen, die meinen Schwachsinn hier von Zeit zu Zeit lesen, die mir zeigen, dass ich nicht allein bin, die für mich da sind, denen es wichtig ist, dass es mir gut geht.

Heute nun schwang ich mich endlich wieder einmal aufs Stahlross um einen Ritt zu wagen auf den Seerücken, dann wieder runter, irgendwann dann in einer schlammigen Sackgasse, nein, nein, das geht schon, da kraxeln wir mal eben schnell rauf, kommt sicher bald ein Weg,...pffff, Luft raus, also nicht die aus dem Pneu, sondern meine. Die Form ist definitiv im Ar... Der Prinz auf dem Schimmel anerbot sich dann natürlich kavaliersmässig, meinen Bock 20 Meter rauf zu tragen, aber Mrs S zickte nur, selbst ist die Frau, und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann irgendwo im Nirgendwo den Waldrand, wo uns ein Bauer leicht irritiert anschaute. Vielleicht hätte der gestern Abend etwas weniger Rotwein trinken sollen?! Hä jo, den Minirock lasse ich morgen schweren Herzens im Schrank hängen. Und weil ich nach nur 30 km dermassen aus war, machten wir dann noch das, was normale Leute so gemeinhin an Sonntagen machten: wir radelten in eine proppenvolle Beiz, wunderschön über dem Untersee gelegen, gönnten uns dort an der Sonne eine Shorle und einen Mandelgipfel, bevor wir den Biergarten fluchtartig verlassen mussten, da wir von links und rechts eingequalmt wurden, dazu eigenartige Gerüche aus der Küche, haufenweise kurlige Menschen, einfach schräg, das alles. Was ich brauche zum Glücklichsein? Das ist ganz einfach: Natur, Wind, Sonne, etwas Dreck, etwas Schmerzen, und wenn’s dazu noch nette Gesellschaft gibt, sage ich auch nicht nein. Ich bin wieder da. Ich freue mich auf das was kommt. Mrs S lebt.

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