Freitag, 30. Januar 2015

Von Adlern und Bibern (Teil 2)

Während sich offenbar die gesamte Nation auf Loipen und Pisten tummelt oder gar im fernen Süden weilt - Fratzenbuch sei dank ist man da ja immer à jour - mache ich einen auf einsamen Mohikaner und verbringe meine Ferien – home alone.

Was hat das mit Adlern und Bibern zu tun? Man trifft zur Zeit sonst niemanden draussen, keine Jogger und schon gar keine Biker, nicht mal Hündeler gehen bei dem Sauwetter raus. Es ist schlicht und einfach zu kalt, zu nass, zu windig, zu wintrig. Ausser Bibern, Hasen, Füchsen, Wildschweinen, Schwänen und anderen Wetter resistenten Wasservögeln hab ich niemanden angetroffen, dabei habe ich doch noch erstaunlich viel Zeit draussen verbracht aufm Wellenberg, Freudenberg, Sonnenberg und wie sie alle heissen, wichtig ist, dass  die Namen Sommerfeeling versprechen, auch wenn sie tief verschneit sind, dazu kommt der Wind, der dem auf Fuerte in nichts ausser der Temperatur nachsteht. Und so konnte ich mich diese Woche intensiv meinen biologischen Studien widmen: Entenfussabdrücke mit Krallen ordnete ich zielsicher dem Biber zu, Wildschweinerotten vertreibt man am leichtesten durch rasselnde Atemgeräusche, Hasen mögen jungfräulich verschneite Singletrails und Schwäne suhlen sich gern im matschigen Acker. Dies die Erkenntnisse der Woche.

Über diese Dinge philosophierte ich dann eingehend mit meinem  knapp 5-jährigen Göttibub und dessen kleinem Bruder, nachdem ich meinen Superhero-Status erneuert habe, indem ich zu ihnen joggte, also loooooong joggte, also kroch. 25 km in Eis und Schnee, naja. Dazwischen gab’s immerhin für einige wenige Minuten ein paar scheue Sonnenstrahlen, das war dann wirklich schön. Aber ist verdammt weit, so ein Longjog! Und wie man freiwillig einen Marathon laufen kann, verstehe ich immer noch nicht. Immerhin weiss ich jetzt, dass Biber Himbeersirup mögen.

Philosophieren kann man auch mit Doktor Knochenbrecher, während man auf seiner angenehm beheizten Liege fläzt,  er dir sämtliche Gelenke wieder da hin biegt, wo sie eigentlich hin gehörten und du dabei hoffst, dass er dich nicht allzu sehr und allzu lange quält und triggert. Alles andere wäre nicht nett. Schliesslich bezahlt man dafür. Aber ich bin ja selber schuld, meint er. Und eine Mimose bin ich dann ja doch nicht gern. Oder im Hallenbad, da philosophiert man über sinnvolle Freizeitgestaltung, Enkel hüten oder wie man stundenlang bambelet (= im Wohlfühltempo im Pool hin und her gurkt), ohne dass man dabei vor Langeweile stirbt, so entstehen ganz neue Trainingskonzepte, wirklich. Aber davon halte ich ja eigentlich nichts. Von Konzepten, meine ich. 

Ja, und so bringt man locker eine Woche daheim durch. Ein bisschen Action in Schlamm und  Schnee, etwas Tropenfeeling in der Badi, und sogar einige Steilwandkurven mit der Pulsuhr zeichnen kann ich hier. Wozu also verreisen? 


Seit heute habe nun auch ich die Nase voll, ja wirklich. Nein, nein, ich habe keine Erkältung eingefangen! Aber während 90 Minuten IMMER Gegenwind im Gesicht, Untergrund wahlweise Glatteis, Firn, Matsch oder Schnee, selbstverständlich auch x-beliebige Kombinationen davon, und Frauenfeld liegt im Fall nur auf 408 m.ü.M. Da trainiert man nicht nur Bikeskills, die die Welt nicht braucht, sondern friert sich auch was ab, Zehen, Nasen, sogar Füdlibacken müssen dran glauben, und die sind zur Zeit bei mir recht gut isoliert. Und wenn dann an der Autowaschanlage der Schlamm nicht ab will, da alles cm-dick festgefroren ist, und ich daheim im Keller vom Wechsler mehr Eis abkratze, als für einen gigantischen Caipiriña nötig ist, also dann reicht es auch mir endgültig. Superhero hin oder her. Ich werf mich jetzt mit Lektüre aufs Sofa und warte bis der Frühling kommt!


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