Donnerstag, 23. April 2015

Viva España

Nachdem ich leider niemanden gefunden hatte, der mit mir eine Woche im Süden radeln kommen konnte oder wollte, und weil ich irgendwie auch neugierig auf was Neues war, habe ich mich auf Don Carbone’s sanftes Drängeln hin relativ spontan für das triathlon-szene.de Camp im Nordosten Mallorcas entschieden. Da er ja unfallbedingt massenhaft Zeit hatte zu recherchieren, vergleichen, analysieren, pickte er am Ende die Rosine für mich: dieser Arne Dyck und seine Kollegen, die schienen ihm einigermassen vernünftig und manchmal, nicht oft, lasse ich mich ja doch beeinflussen. Das hiess also, 8 Tage essen, schlafen und vor allem viel trainieren. 8 Tage inmitten einem Haufen Fremder. 8 Tage ganz allein unter Deutschen, fern der Heimat. 8 Tage... Je näher der Abflug rückte, desto mehr befürchtete ich ein Desaster. Major S, superkritisch. Was, wenn es sich hier um einen Haufen Irrer handelte, der nur mit Stützstrümpfen und Finisher-Shirts unterwegs ist und ständig über Wattzahlen, Carbon und die richtige Ernährung spricht? Was, wenn die sich alle schon kennen und ich keinen Anschluss finde, also meine Mahlzeiten allein in mich rein schaufeln muss verkrümelt in einer einsamen Ecke? Was, wenn ich mit Abstand die grösste Nuss von allen und bereits nach 2 Tagen total ko gefahren bin? Was, wenn ich mit Typen radeln muss, die in jede Welle und jeden Berg rein donnern, die Guides nichts taugen und vor allem nichts sagen und ich schliesslich irgendwo im Nirgendwo ausgesetzt werde, weil ich schlapp mache? Was, wenn... Herrje, ich werde alt! Und so bin ich dann am Sonntag in aller Frühe mit einigen komischen Gedanken und mit der Hoffnung,  dass ich im besten Fall einige nette Menschen kennen lerne und im schlimmsten Fall wenigstens 8 Mal nicht allein aufs Rad muss, in den Flieger gestiegen...

Um es vorneweg zu nehmen: Die Woche war super! Von A bis Z! Spitzenklasse, aller erste Sahne. Nicht nur wegen des Essens (am Kaffee könnte man noch arbeiten). Nein. Ich habe da 30 freundliche, aufgestellte, normal durchgeknallte  Menschen kennen gelernt, die eines mit mir teilen: die Freude am Sport. Da hatte es vom blutigen Anfänger bis zum Topathleten alles, vom 20-jährigen Mädel bis zur Triathlon-Oma, Studenten, Bauarbeiter, Banker, Steuerberater, Techniker und Lehrer. Die ganze Palette. 

Kurz vor der Abreise fand
auch ich noch raus, wie die netten
 Jungs in meiner  Gruppe so hiessen...
Die Gruppeneinteilung fand dann auch ganz unkompliziert statt: schnell, mittel, langsam. Auf meine Frage, was denn „schnell“ bedeute, kam die Antwort: Du nicht! Aha. So wurde ich eigentlich noch nie eingeteilt. Aber es war voll richtig. In meiner Radgruppe, Nummer 2, kamen auf 6 Leute 2 Guides, die wirklich wussten, was sie taten und ihren Job ernst nahmen. Es wurde sauber, gleichmässig und zügig gefahren und machte unheimlich Spass! Die Touren führten uns kreuz und quer durch die Gegend, kaum befahrene Strassen, herzige Städchen, sanfte Wellen, geniale Hügel und schöne Serpentinen, die Aussicht aufs Meer, die Gerüche, Orangen, Zitronen, all die Blumen am Strassenrand,... Unbeschreiblich! Auch die Orientierung ist im Grunde kein Problem, die Berge führen dich immer nachhause oder weisen dir wenigstens die Himmelsrichtung. Und ich bin mir sicher, dass Arne das mit Muro auch noch in den Griff kriegt, irgendwann...

Danach noch 24 Stunden im
Endorphinrausch!
Absolutes Highlight für mich war dann nach dem anstrengenden Kraft-am-Berg Training die „Überraschung“. Erst dachte ich noch, da komme jetzt womöglich noch ein 14%-er, das wäre so mein Stil von Überraschung. Aber nein: In Sineu bogen wir zu einer BAHN ab! Das war für mich wie Geburtstag und Weihnachten an einem Tag, hab ich ja noch nie gemacht davor, soooooo geil, diesen einen Kilometer voll am Anschlag zu brettern, das Laktat überall!!! Danke Bischi, ich freue mich auf meinen Mandelkuchen im nächsten Jahr! Fantastisch war auch unsere Königsetappe über die Puigs Sóller und Major – danke Peter und Arne fürs Guiden und der ganzen restlichen Crew für die unterhaltsamen Gespräche – so wissen die Herren nun beispielsweise endlich, wie man Beine am besten glatt rasiert -, besonderen Dank auch an Markus, der mit mir ziemlich auf dem Zahnfleisch die 150 km noch voll fahren kam.

Nebst Radeln standen natürlich auch die beiden anderen Disziplinen auf dem ausgewogenen, aber gerade gut gefüllten Stundenplan:  Morgens gab’s jeweils ein Nüchternläufli auf der Strandpromenade im GA1, haha! Am 1. Tag habe ich mich schon nach wenigen 100 Metern ausgeklinkt, wohl wissend, dass die Woche lang ist und abschiessen wollte ich mich ja wirklich nicht... Die Gruppe dezimierte sich vielleicht daher kontinuierlich und auch das Tempo wurde von Tag zu Tag angenehmer, so dass ich ab Mitte Woche dann locker mit der Restgruppe, nicht zu verwechseln mit der Abfallgruppe, mitlaufen und mich sogar noch bestens unterhalten konnte. Greg, unser Pace-Maker, lieferte die Zwischenzeiten und Pulsfrequenzen für die ganze Gruppe, da diese Suunto’s allesamt nichts taugen.

Nach dem Pool am Pool
Im Anschluss an die Radeinheiten gab’s dann noch ein geführtes und meinem Geschmack entsprechendes Schwimmtraining, bei dem manchmal auch gelacht werden durfte, wenn man das richtige Codewort kannte – hä?! Sogar einige technische Übungen liess ich über mich ergehen – und hatte meinen Spass dabei. Vor allem war ich stolz, dass Ingo und ich jeweils zumindest in der B-Note die volle Punktzahl kriegten von der auf dem Liegestuhl Caipiriña schlürfenden Jury, also zum Beispiel dann, wenn ich ihn am Grund mitschleppte oder wir synchron abklatschten. Auch der Coach hatte sichtlich seinen Spass und uns alle da abgeholt, wo wir waren. Frl. Besserwisserin ist echt beeindruckt und nimmt einiges mit, auch das Polarisieren statt Böllern. Nico, es war mir eine Ehre!

Ich habe 8 Tage super trainiert und als Autodidaktin sogar einige wertvolle Ideen und Inputs akzeptiert und mit nachhause genommen. Meine Damen und Herren, herzlichen Dank für die tolle, unvergessliche Woche! Auch ich Spassbremse hatte meinen Spass, wirklich. Gracias ausserdem für die gratis  Weiterbildung im Fach deutsche Sprache, meine Schülerinnen und Schüler danken es euch ebenfalls und werden fortan in einem noch rasanteren Tempo und dafür etwas eleganter von mir zugetextet. Ich freue mich sehr, einige von euch im Juni in Heilbronn, wo ich ja inkognito (hüstel, hüstel) mit dem unverkennbaren Z auf der Brust und am Arsch - das ist reine Frage der Perspektive –  auf der Halbdistanz starte, wieder zu sehen!


Nachdem ich nun zwei Tage lang meine leeren Speicher auf dem Sofa oder quer über dem Lehrerpult liegend wieder aufgefüllt habe mit dem gesamten Notvorrat an Schokolade, Biber und einer Wagenladung Bananenchips, fühle ich mich nun stark, bereit und bestens vorbereitet für die Saison. Es darf von mir aus dann bald mal los gehen!

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