Donnerstag, 2. April 2015

Was tun? sprach Zeus

Also während die meisten wohl schon längst wissen, was sie in der Saison 2015 so an Rennen und anderen Aktivitäten unternehmen wollen, bin ich immer noch im Winter-Modus, was an sich ja auch kein Wunder ist bei dem Wetter grad, also bitz aber mit ganz viel Freude trainieren und ansonsten recht planlos... Soll ich, soll ich nicht? Was denn ganz genau? Warum? Will ich das wirklich? Und vor allem: bin ich dafür gut genug? Oder eben doch nicht? Noch nicht? Wann wäre das dann? Kann ich für meine Messlatte überhaupt jemals gut genug werden? Warum denn immer so kritisch?

Drum bin ich momentan am liebsten einfach im Hallenbad. Da ist es immer warm. Und es regnet nicht, keine Böen, kein Glatteis. Also alles ziemlich berechenbar. Ausser wenn Herr „Pavarotti“ zufälligerweise in der Bahn ist: Postur etwa 3x mich, Blauwal-Barten-Vollbart, Pulsgurt und das ganze technische Equipment am Kopf, so dass er ausschaut, als sei er soeben einem Helikopter entstiegen. Wenigstens bringt er sonst kein Spielzeug mit. Er ist nicht schnell, der Herr Pavarotti, aber er versteht – auf Englisch zwar, aber immerhin -, wie man sich in einer Bahn korrekt verhält. Somit ist er akzeptiert. Nur wenn ich ihn überhole oder kreuze, das ist ganz einerlei, kommt aber häufiger vor als mir lieb ist, dann fühlt es sich an, als würden Meter hohe Wellen über mir zusammen klatschen. Dann werde ich zu Treibgut und gewöhne mich schon mal wieder dran, im Race den ein oder anderen Schluck Wasser zu inhalieren.

Super ist auch, wenn man sich montags während dem individuellen Trainieren und zwischen einer Hand voller Haie doch noch spontan für ein gemeinsames Training entscheidet und dann beim ersten 400er bei 1.20 durchgeht – da weiss man auch, was es geschlagen hat! Da bin ich dann ziemlich froh, wenn der Herr Schulevaluatör etwas früher als ich zurück in den Stollen muss. Als Goldfischli im grossen Pool der Haie ist das Leben manchmal schon etwas hart, echt.

Das hat aber zwischendurch auch guten Seiten, das Goldfischli-Sein, meine ich. Zum Beispiel wenn du am Samstagmorgen ordentlich verknittert auf deine Kollegen wartest, junge athletische Herren natürlich, und da in einer anderen Bad-Ecke so ein Kürsli stattfindet, viele Frauen halt. Und dann besagte Herren ins Bad geschlurft kommen und sich x Augenpaare an sie heften, man kann auf ihren Stirnen die Gedanken ablesen, ja sogar der Sabber läuft schon fast aus den Mundwinkeln,… Und die Chiccos dann schnurgerade auf dich zusteuern, dich begrüssen und du 90 min zwischen denen pullen darfst, ja das ist doch irgendwie schon noch gut fürs Ego...

Aber so ein allmittwochnachmittägliches Schwimmtraining, das ist dann wirklich das Nonplusultra! Ein bisschen Cruzen gehen, Spazierschwimmen wird es despektierlich bisweilen genannt, die Serien immer so, dass man sie sich einfach merken kann, zum Beispiel 5x800 oder 4x(3x200, 4x100) oder 2x(5x200, 10x100). Wichtig dabei ist, dass Frau nur losschwimmt, wenn der Sekundenzeiger haargenau ganz oben ist, denn sonst verlieren meine Artgenossen den Durchblick. Zählen darf ja eh immer ich, weil in Poleposition. Okay, es gibt  manchmal dann aber doch auch Situationen, wo die Pausen zwar nicht kürzer werden, aber deutlich stiller. Wenn sich dann plötzlich 3 Augenpaare nur noch an den Sekundenzeiger heften, der viel schneller als einem lieb ist voran schreitet, dann ist es demnächst Zeit für folgendes: Ganz egal wie locker oder locker das bisherige Training war, nach 3,8 km findet IMMER noch ein kleines Rennen statt. Das ist ein ins Plättli gemeisseltes Gesetzt. Und zwar kein lockerer 100er so wie das ganze restliche Programm, nein, nein. Irgendwann so knapp vor der letzten Wende nehme ich im Augenwinkel einen Schatten wahr, einen groooooossen Schatten, und einen schnellen leider auch noch. Das ist dann jeweils der Pensionär unseres Trainingstrios, der uns eben mal noch schnell einteilen will, den Buben und mich, aus dem Hinterhalt. Immer. Mittlerweile bieten wir ihm aber die Stirn und ich bin sicher, dass er es nächstes Mal nicht mehr versucht...

Item: Zurück zu Pavarotti. Während ich tatsächlich seit Wochen dran rum studiere, mich möglicherweise vielleicht einmal diesen Sommer auf der Halbdistanz zu versuchen, aber nur eventuell, und wenn, dann nur irgendwo, wo mich sicherlich keiner kennt, also wo Datasport keinen Zugriff hat… Schwimmen wäre kein Problem und das mit den 90km Radfahren kriegte ich bestimmt auch hin, aber dann noch einen Halbmarathon?! Hm... Ich weiss nicht... Wenn ich sehe, wie meine Kollegen, die das schon mal machten, trainieren und ich mir dann mein inexistentes Trainingsmilchbüechli vor Augen halte, hm... Ich weiss ja nicht so recht... Also während ich jeden Tag einen Haufen Münzen werfe, meine pubertierenden Kinder um weisen Rat frage und misteriöse Orakel befrage, aber trotzdem zu keinem schlauen Schluss komme, sölli, sölli nöd?! – da hat der Herr Pavarotti letztes Jahr beschlossen, dieses Jahr in Rappi zu starten, einfach so. Aus dem Nichts. Dabei konnte der vergangenen Sommer noch keinen einzigen Meter schwimmen, sprich Vollblutnichtschwimmer, auch Rennradfahren war für ihn ein Fremdwort, vom Laufen rede ich schon gar nicht. Der hat dann in kürze mal etwa so viel abgenommen wie ich wiege, ein bisschen angefangen mit Triathlon und geht da jetzt einfach an den Start! Solche Leute gibt’s. Da staune ich immer wieder. Das will ich auch können...

Nun gut. Ich habe ja noch etwas Zeit. Der Sommer ist noch nicht in Sicht und ich mache dann halt einfach weiterhin, was Spass macht. Vamos ver!

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