Sonntag, 23. August 2015

Lausanne

Oldies & Goldies des Tri Bodensees
Was sozusagen am Stammtisch in Heilbronn über Pizza und Erdinger begann, brachten wir am vergangenen Samstag in Lausanne zu Ende, wo die SM im Teamsprint ausgetragen wurde. Wir wurden logischerweise nicht als Favoritenteam gehandelt, der Don und ich bringen ja bereits stolze 90 Jahre zusammen und unsere „Youngsters“ sind auch nicht mehr die allerjüngsten. Dennoch waren wir alle mehr als aufgeregt. Es ist einfach etwas ganz anderes, so ein Rennen zu viert zu bestreiten. Und dann erst noch in Lausanne! Super professionell alles, also wirklich aller erste Sahne, angefangen beim blauen Teppich über die Veloständer über... Unglaublich. Nach dem Bodymarking (all meine Nummern und Buchstaben hatten kaum Platz auf meinem Körper) und Check-in wurden die Teams präsentiert. Das jagte einem regelrecht Schauer über den Rücken und wäre man nicht bereits davor schon brutal aufgeregt gewesen, hätte dieser Moment dann sicherlich dafür gesorgt: „Simone Sonderegger, Beat Widmer, Barbara Scherrer and Urs Schiess representing Triathlon Club Bodensee“... Als 15. Team durften wir einlaufen. Während meine drei Musketiere noch etwas im Übergabezelt chillen durften, schwenkte ich direkt zum Ponton ab und suchte mir irgendwo ein Plätzchen zwischen all den anderen Goldfischen.

Dramatische Musik, bobomm, bobomm, on your marks, beep! Ich hatte null Chancen mit den Damen mitzuhalten, und schon vor der 1. Boje waren (fast) alle weg. 
Ich aber nicht weniger sauer, da haust du auf knapp 300m alles raus, was du hast, in diesem Fall leider einfach nicht genug, so dass du auf dem Weg zur Wechselzone schon beinahe kotzt. Rauf aufs Rennvelo, versuchen Anschluss zu finden, Schuhe irgendwo und möglichst an einem Hinterrad anziehen, aber sicherlich, bevor es in die Höllenrampe geht. Der berühmt berüchtigte Anstieg in Lausanne, den man irgendwie in der grossen Scheibe rauf würgt. Die 5 km sind im Nu vorbei, dabei gut fühlen tut man sich allerdings keinen einzigen Meter. Alles brennt, Flimmern vor den Augen, Gleichgewichtsstörungen, das ganze Programm. Rasch wieder alles in die Box schmeissen, ja keinen Penalty kassieren, und ab auf die 2 Laufrunden à je 600m. Das ist ja ein Klacks! Pfffff... So schlimm war es noch GAR nie, ich fand keinen Rhythmus , auch die Anfeuerungsrufe meiner Teamkollegen konnten mich nicht beflügeln. Ich kämpfte mich irgendwie durch und übergab mit allerletzter Kraft per Handschlag an den Don, der auf den Ponton sprintete und sich dort äusserst elegant in die Fluten warf. 
Davon bekam ich allerdings nicht mit, den ich musste auf dem Asphalt erst mal wieder zu Atem kommen. Also so hart, so brutal, so berauschend, so... Immerhin hatte ich es jetzt hinter mir und konnte entspannt dem spannenden Rennen zuschauen, mir die Seele aus dem Leib brüllen beim Anfeuern, Urs mit einer Banane noch vor dem Sterben retten, während Barbara es für uns Oldies rettete und im Schwimmen und Radeln je 3 Plätze gut machte. Sie konnte sogar noch reden dabei und uns in der Wechselzone auf den aktuellen Stand bringen, unglaublich, die Frau!
Urs konnte dann trotz verlorener Schwimmbrille – das üben wir dann noch – und dank seinem 150% Einsatz unseren Rang halten, so dass wir wider erwarten nicht letzte, sondern sogar in den Top10 landeten und damit die Ostschweiz äusserst würdevoll vertreten haben. Danach ist man so was von geflasht... Das lässt sich gar nicht beschreiben. Bei Pasta, Pommes und Gelati genossen wir den wunderschönen Sommerabend am See, lachten, liessen Legenden entstehen und schmiedeten bereits Pläne für neue grosse Heldentaten, die an dieser Stelle aber noch nicht erwähnt werden.


Um 21 Uhr musste ich dann aber ins Zeinchen, da bereits am Sonntag um 8.20 Uhr mein nächster Start anstand. Ich hatte mich nach dem vergangenen Wochenende im Endorphinrausch noch für den Sprint angemeldet, so dass sich der Ausflug an den Genfersee dann auch sicher lohnen würde. Allerdings hatte ich keine Ahnung, wie ich diesen überleben sollte, denn ich war total kaputt. Nur schon der Gedanke, da viermal diese vermaledeite Rampe hoch zu schiessen, nein, keine Chance, dachte ich. Ging dann aber schon. Und wie!

Den Neo liess ich optimistisch im Hotel – was sich als persönlichen Fehler erwies. Schon beim Einschwimmen wusste ich, dass die 500m nur mit Eiszapfen an den Zehen zu überstehen sein würden. Am Ponton ein Gedränge sondergleichen, 200 Frauen in pinken Badekappen, am Quai Hunderte von Zuschauern. Total geil! Ich schwamm eigentlich ganz gut, aber die schwarz verpackten Damen glitten dann doch müheloser durch die Wellen und ich kam erst als 18 tiefgefrorene Frau (aber 1. meiner AK, doch das wusste ich ja nicht) aus dem Wasser. Der Run in die Wechselzone war Distanz mässig ein Halbmarathon, dabei konnte ich grad eruieren, dass es meinen Beinen erstaunlich gut ging. Also hoch motiviert aufs Velöli, subito in die Schuhe rein, denn es ging nun direkt in die Rampe! Ich hatte über Nacht eine neue Taktik entwickelt, das heisst, in der kleinen Scheibe einfach kürbele, was das Zeug hält. Fühlte sich extrem viel besser an als der Würg am Samstag, und da konnte weder der übermässige Verkehr auf der komplett abgesperrten Piste noch der einsetzende Regen etwas anhaben. Es lief wie am Schnürchen, ich fühlte mich unbesiegbar und stampfte was es ging! Es fühlte sich sowohl bergauf als auch durch den kurvigen Park runter etwas an wie Playstation spielen, man musste immer ausweichen, und das auf alle Seiten. Manchmal musste ich etwas fluchen, um mir Platz zu verschaffen, aber es half. Mit der drittschnellsten Velozeit overall stieg ich nach gut 40 Minuten wieder ab. Doch meine Beine wollten nicht, ich brauchte fast einen Kilometer, um einen Rhythmus zu finden. Dann ging’s dann aber. Mit einer für mich sehr guten Laufzeit in einem 4.15-er Schnitt erreichte ich die letzte Kurve vor dem Ziel, wo ich meinte, mich verhört zu haben, denn der Speaker murmelte irgendetwas von „première femme de l’âge 35 à 44“ und dann hörte ich meinen Namen. Aber hallo?! Und dann verbarrikadierten sie doch tatsächlich das Ziel mit so einem weissen Banner!? War das geil! Ich konnte es gar nicht fassen…



Was für ein Wochenendtrip: zwei supercoole Rennen in einem hochprofessionellen Ambiente, herrliche Kulisse für das Ganze, dazu tolle Leute an meiner Seite, insbesondere natürlich meinen Herzallerliebsten, der mir zuliebe immer wieder in aller Herrgottsfrühe aufsteht, aufs Frühstück verzichtet und sogar im Regen am Strassenrand ausharrt. Nebst Ruhm und Eher schaute sogar noch eine AK-Rangliste mit den Lottozahlen 1-2-1-1-4 raus, was meinem Ego natürlich auch nicht schadet. Es war einfach supermegamässig!!! Wow…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen