Montag, 20. Juni 2016

Der Niedergang

Schwimmen gestrichen
So, meine Duathlon Premiere liegt nun also hinter mir und ich kann voller Inbrunst sagen: nie wieder! Aber ob das nun am Duathlon liegt oder an der Distanz oder an beidem, konnte ich noch nicht restlos eruieren. Bisher habe ich ja immer gekniffen, wenn ein Tri- in einen Duathlon umfunktioniert wurde, und zwar nur aus dem einen simplen und bekannten Grund: ich bin eine (wenn auch stilvolle) Pfeife im Laufen. Meine taktischen Pläne hatte ich daher ja bereits vor dem Wochenende kundgetan.

Das mit dem locker „Einlaufen“ auf den ersten 5 km hat hervorragend funktioniert: Kaum ging’s los, stand ich auch schon ziemlich allein da. War mir aber ehrlich gesagt auch recht, sollten die anderen sich doch grad schon mal ordentlich abschiessen, ich würde dann das Feld von hinten aufrollen auf dem Rad...

Gesagt, getan. Recht locker und entspannt jöggerlete ich nach 20 Minuten in die Wechselzone, wo wie erwartet schon fast kein Bike meiner Startwelle mehr stand. Umso schneller sass ich dann aber auf Scotty, aufgepimpt mit Don Carbone’s antiker Holzscheibe – fast so schnell gewechselt wie die Pro-Frauen! Mein erklärtes Ziel war, die Hügel um Heilbronn platt zu stampfen respektive ich wollte einfach schneller sein als vergangenes Jahr, also ein Rennen gegen mich selber veranstalten. Falls ich die eine oder andere Frau dabei noch aufsammeln könnte: auch gut.

Scotty mit Holzrad - ready for takeoff!
Meine Beine fühlten sich wirklich super an - die waren ja bereits aufgewärmt und nicht wie sonst nach dem Schwimmen tiefgefroren - , so dass ich los stampfte, als gäbe es kein morgen. Die komplett abgesperrte Strecke liess mein Herz höher schlagen, voll im Rennrausch und immer schön vom Dröhnen der Scheibe begleitet. Es war trotz Windböen einfach unglaublich geil! Bergauf nahm ich etwas raus, dafür runter dann immer volle Kanne und in den Flächen erst recht. Die knapp 3 Stunden vergingen wie im Flug und ohne nennenswerte Krise, vor allem aber war ich fast 5 Minuten schneller als letztes Jahr. Ziel erreicht, schnellste Rad-Split meiner AK. Yeah!!!

Was nun folgte, war vorauszusehen: Der Niedergang. Und dann wie. Nicht mal würdevoll, einfach nur elend... Schon nach 4 km wusste ich, dass das heute sehr lange 21 km werden würden. Zuerst krampfte das rechte, dann das linke Bein, vorne, hinten, oben, unten und wieder von vorn. Hätte meine immer noch unausgepackten Geburi-Stockenten-Stöcke echt brauchen können! Die erste Runde ging grad noch so, aber ab der 2. lief gar nichts mehr. Jöggerle, spazieren, jöggerle, bitzli trinken, zügig gehen, jöggerle, irgendwo hinter die Büsche, weiter spazieren, probieren zu jöggerle, stehen bleiben und wieder trinken, vielleicht noch die Enten füttern? Etwa so, wie das meine Schüler auch machen, wenn sie in einer einzigen Lektion 24x den Bleistift spitzen, 17x Wasser trinken und dann 18x aufs Klo müssen. Alles super bei ihnen abgeschaut. Ich hatte unternull Bock auf einen Halbmarathon, unternull Biss und pfui! Was man daran mögen oder cool finden kann, verstehe ich echt nicht. Ich war einfach nur so was von im Ar***. Mit „Laufen“ hatte das ganz sicher überhaupt gar nichts mehr zu tun, ein Bild des Grauens, aber voll! Am Ende dann 2 Minuten langsamer als letztes Jahr, aber immerhin doch noch unter 2 Stunden, angefühlt hatte es sich nämlich nach einer Ewigkeit.
Carboloading sei wichtig, habe ich gehört...


Auch wenn es am Schluss auf der Rangliste ganz gut aussieht mit dieser ewigen 5 neben meinem Namen in meiner AK, euphorisch war ich eigentlich nur beim Radfahren. Vielleicht muss ich mir echt mal Gedanken machen, nicht doch die Sportart zu wechseln zu Turmspringen oder Sackhüpfen oder so was… Ich bin aber nicht frustriert mit dem Ergebnis, wirklich nicht. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen taktischen Plan zu 100% umgesetzt, ist doch auch was, oder? Und das Velofahren war einfach unheimlich cool, habe ich das schon gesagt?! Auch das Davor und Danach war super, viel gutes Essen, überaus nette Gesellschaft, dazu eine hübsche Landschaft und sogar etwas Sonnenschein. Passt schon.

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