Samstag, 13. August 2016

Gorillas im Nebel

Noch etwas im Endorphinrausch nach meinen Veloferien in der Haute Provence habe ich mich unter anderem für die Langdistanz in Schaffhausen angemeldet, obwohl ich im Juni gesagt habe, so was Langes mache ich nie wieder. Schaffhausen ist ein ganz und gar spezielles Rennen...

Die 5 km werden im Rhein geschwommen, wobei die Strömung dafür sorgt, dass alle AthletInnen mehr oder weniger gleichzeitig ans Ufer gespült werden. Sofern sie dieses finden im Nebel... Neue Regel Nummer 1: Vertraue niemandem, den du nicht kennst, und schwimme um Himmelswillen nicht wie ein Schaf in der Herde mit. Möglicherweise schrammst du so eine Wiffe oder verpasst eben besagten Ausstieg.

Die Wechselzone ist ein gigantisches Stoppelfeld, welches dafür sorgt, dass der Neopren für die kommenden Wochen schön mit Stroh paniert ist und deine Fusssohlen schon nach dem Schwimmen einige Schrammen aufweisen könnten. Das ist aber nicht so schlimm.

Auf der 60km langen Radstrecke über sämtliche Schaffhauser Hügel ist Windschattenfahren offiziell erlaubt, auch das ist speziell. Wenn es dir nämlich gelingt, auf ein flottes Zügli aufzuspringen, fährst du verhältnismässig locker eine absolut unglaubliche Radsplit. Kann aber auch sein, dass der ein oder andere Typ es gar nicht cool findet, wenn ein Mädel mitfährt, und du darum hinterrücks in der Kurve aufs Abstellgleis abgedrängt wirst. Beim besagten Abstellgleis handelte es sich um einen Parkplatz, der wiederum entpuppt sich als Sackgasse, so dass ich dann meine Radquer-Qualitäten grad auch noch trainiert habe mitten im Sommer. Regel Nummer 2: Mann sollte sich alle paar Jahre ein neues Triathlondress leisten, Ladies mögen im Windschatten weder Füdlibacken sehen noch sonstige zweifelhafte Einblicke erlangen, Danke. Es ist mir dann aber bergauf doch noch gelungen, wieder Anschluss an ein nettes, kleines Grüppchen zu finden (die waren auch ordentlich angezogen), besonders gefallen haben mit Alex’ Attacken, bei dem sein Hobel beinahe zu verbrechen drohte. Das war wirklich eine 1A-Radausfahrt heute morgen, gefiel mir sehr!

Zum Ende gibt’s bei einem Triathlon ja dann immer noch ein Läufli. Auch da kann man sich verirren, aber nicht arg. Eigentlich fühlte ich mich wirklich gut und war äusserst motiviert, meinen 3. Overall-Rang bis zum bitteren Ende, also über die ganzen 15 km, zu verteidigen. Aaaaaber – jaja, immer eine Ausrede, ich weiss – nach 2 km hatte ich an beiden Füssen schon ziemlich üble Blasen. Also ehrlich gesagt taten meine Füsse brutal weh, ich wusste kaum noch, wie ich aufsetzen sollte. Ich konnte den Schmerz auch nicht wegdenken oder schönreden oder... Irgendwann hab ich mich drum dann an die Fersen eines Hühnen geheftet, stur auf seinen Rücken gestarrt und ohne zu denken seinen Pace übernommen. Der Fokus war nicht mehr auf den Schmerzen. Regel Nummer 3: Wenn du weiter als 10 km laufen willst, tu es NIEMALS ohne Socken, auch wenn sie ein No-Go sind, warum auch immer.

Ganz viele tolle Leute haben mich heute irgendwo am Streckenrand angefeuert – danke. Ich höre es und es beflügelt mich extrem, auch wenn ich das unterwegs nicht zeigen kann. So kam ich dann auch eher wie eine Teilnehmerin eines Nordic Walking Events im Ziel an, aber immerhin als 3. meine AK und 4. Overall. Not bad für eine Gorillafrau...

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