Montag, 21. August 2017

DSS

Gestern durfte ich mich im wunderschönen Seebachtal über die Sprintdistanz wieder einmal total auswinden. Und das ging so: Nach dem Landstart ohne Rangeleien befürchtete ich bei der Wendeboje nach 250 Metern, in Ohnmacht fallen zu müssen. Das tat ich dann aber nicht und krabbelte als zweite Dame aus dem Hüttwilersee. Dame Nummer eins liess ich bereits in der Wechselzone stehen, sie hantierte da noch mit Helm und Schuhen, während ich schon das Schloss Steinegg anvisierte. Der Anstieg da rauf ist und bleibt hart, auch nach all den französischen Bergen und Pässen im Juli. Aber man weiss das ja. Röchelnd und mit Schaum vor dem Mund passierte ich oben das kleine feine Fanklüppli, dachte da einen ganz kurzen Moment lang, das wäre auch mal was, so in der Morgensonne in der Wiese sitzen und bitzli applaudieren, aber eben. Es durfte nur ein Tempo geben, nämlich Vollgas! Die Radstrecke ist äusserst attraktiv, durchaus selektiv und halt eben auch kurz, ist ja ein Sprint. Und so hüpfte ich nach 20 km als erste Dame vom Hobel und rein in die Laufschuhe.

Da ging’s dann gleich mal wieder rauf, mein Puls irgendwo im Nirgendwo, dachte gar nicht mehr atmen zu können. Seitenstecher wie schon lange nicht mehr und die Verfolgerinnen im Nacken, also zuerst mal noch mit gebührendem Abstand, aber ich wusste, dass sich das im Verlauf um den See ändern würde. Nach 4 km trabte dann die spätere Overallgewinnerin an mir vorbei, ich hatte keine Chance mitzugehen. Nach 5 km näherte sich die nächste Verfolgerin, indem sie sich hinter einem Typen versteckte. Vorbeiziehen lassen oder fighten?! Der Herr überholte mich und ich versuchte, dran zu bleiben um noch mal etwas Abstand zu gewinnen. Fail. Konnte das Tempo nicht gehen. Ich liess die Dame also ran kommen. Diese letzte Ecke der Strecke kannte ich von unserem Video-Dreh im Frühling bestens und plante so mein perfides Spielchen, in dem es nur eine Gewinnerin geben konnte: mich oder die andere. Ich nahm absichtlich Tempo raus, sie zog an mir vorbei. Ich hängte mich einige Schritte hinten rein und dann schoss ich wie zu meinen allerbesten Hürdenzeiten an ihr vorbei, das Ziel 300 Meter vor uns. Ich hoffte, dass sie keine pensionierte Leichtathletin mit Sprinterqualitäten war, denn ich würde das exorbitante Tempo unter gar keinen Umständen bis zum Zielstrich durchziehen können... Glück gehabt, schon nach wenigen Metern hatte ich sie so klar distanziert, dass ich wieder vom Gas gehen konnte und mit 6 Sekunden Vorsprung ins Ziel wankte. Lagomio, all out! 


An dieser Stelle vielen herzlichen Dank unserem Teamfotografen für die Bilder des Grauens. Immerhin erlitt die Handykamera dieses Mal keinen Defekt ;-)


Zum Abkühlen gab’s dann noch eine kleine Sprungbrett-Session im See, viel Socializing mit einem ganzen Haufen altbekannter Leute, ein leckeres Stück Kuchen im Festzelt und eine Siegerehrung. Mit über 33 Minuten Vorsprung konnte ich meine Altersklasse gewinnen, overall war das Treppchen etwas enger, wir finishten innert 48 Sekunden. Super organisierter Anlass in einer der schönsten Ecken des Thurgaus. I’ll be back.

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