Donnerstag, 28. Juni 2018

SM Einzelzeitfahren

Oder: Success isn't about the end result, it's about what you learn along the way...

Was ich da so recht einfach und flott von der Hand dahin schreibsle, ist emotional alles andere als leicht zu verdauen... Auf der Rangliste dieses sehr anspruchsvollen, bergigen Einzelzeitfahrens prangt mein Name nämlich einmal mehr nicht glanzvoll im vorderen Teil, sondern man muss ordentlich weit nach unten scrollen... 

Das Feld war extrem stark besetzt, alles was im Schweizer Strassenradsport, MTB und sogar im Triathlon Rang und Name hat, versammelte sich gestern Nachmittag in Schneisingen, um im Abstand von einer Minute von der berühmt-berüchtigten Rampe zu rollen. Dass ich da als alterndes Greenhorn nicht vorne mitmischen würde, war mir selbstverständlich von Anfang an klar. Dass ich aber derart exekutiert würde von der Konkurrenz und satte 7 Minuten auf die absolut grandios-furios fahrende Nicole Hanselmann verlieren würde, und das auf nur 18 Kilometern wohlgemerkt, das hat mir gestern Abend also doch ziemlich zugesetzt... Ich habe alles gegeben, sicherlich hätte ich die ein oder andere Kurve noch etwas aggressiver fahren können und mich am Berg noch mehr quälen müssen, aber 7 Minuten?! Auch dass mich das Postauto auf der letzten Abfahrt vor dem Schlussanstieg ins Dorf ausgebremst hat, macht den Braten nicht feiss, das waren vielleicht grad mal 20 Sekunden. Ich wollte schon meinen ganzen Sportkrempel zum Schnäppchenpreis ausschreiben und mich den gemütlicheren Dingen des Lebens wie Klavierspielen, Yoga machen oder Kuchen backen widmen, doch ich wäre nicht ich, wenn... 

Reframed betrachtet war es doch erstens eine ganz coole Sache, bei sommerlichen Temperaturen zusammen mit den besten Fahrerinnen des Landes an diesem durch und durch professionell organisierten Rennen durch die Aargauischen Hügel zu heizen. Zweitens: gerade mal 24 Frauen der pedalierenden Schweizer Bevölkerung haben sich überhaupt an die Startlinie getraut, alle anderen blieben daheim, von daher gesehen bin ich jetzt immerhin für ein Jahr die 19. schnellste Dame, womit sich der Rang von allein relativiert. Zudem finde ich es einfach unglaublich toll, wenn sich junge und ältere Ladies zusammen tun um Spass zu haben. Wobei man den Begriff 'Spass' möglicherweise schon mal noch diskutieren müsste... Noch toller wäre es, wenn mehr mitmachen täten und die Medien vielleicht auch mal ein, zwei Sätze über die unglaublich starke Leistungen der etwas weniger bekannten Fahrerinnen verlieren würde. Nichts gegen die Performance von Nicola Spirig, aber die Szene im Ziel, als Nicole, die frisch gebackene Schweizermeisterin, total ausgepowert und bleich im Gesicht hinter der Finishline mit einem Vorsprung von fast 40 Sekunden fast vom Velo kippte, sich aber sämtliche Reporter nur für die Zweitplatzierte interessierte, hm... Irgendwie tat mir das einfach leid.  

Was habe ich gelernt? Es dreht sich nicht alles um Ruhm und Ehre. Kräht eh kein Hahn danach. Der Weg ist das Ziel. Meine persönlichen Zielsetzungen, die Bemühungen und Anstrengungen, diese irgendwie möglicherweise irgendwann vielleicht doch einmal zu erreichen, und vor allem der Spass und die Freude an der Sache, das macht's aus!

1 Kommentar:

  1. Der Weg ist das Ziel- du hast Mut bewiesen dich der Herausforderung zu stellen und bist unbequem auf dem Boden der Realität gelandet! Aus meiner Sicht: du bist 19. geworden, also bist du unter den zwanzig Besten der Schweizer Zeitfahrerinnen. Gratuliere dir! Du analysierst super, schreibst unglaublich erfrischend und vor allem: du hast Freude an der Bewegung und am Sport. Was sind schon sieben verlorene Minuten aufs Leben gesehen? Nichts... Bleibe weiter mutig und lass uns an deinen Geschichten teilhaben. Du machst es super!

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